Comeback im Buchladen: Ex-Staatschef Hollande ist wieder da

Paris (APA/dpa) - Ein „normaler Staatspräsident“ wollte Francois Hollande sein. Doch daraus wurde nichts. Seine Amtszeit wurde von schweren ...

Paris (APA/dpa) - Ein „normaler Staatspräsident“ wollte Francois Hollande sein. Doch daraus wurde nichts. Seine Amtszeit wurde von schweren islamistischen Terroranschlägen, der chaotischen Griechenland-Rettung und gescheiterten Reformen geprägt.

Vor gut 15 Monaten verließ der glücklose Sozialist den Elyseepalast, dann wurde es still um ihm. Nun ist der 64-Jährige wieder da - und sorgt mit seinem Erinnerungsbuch „Les lecons du pouvoir“/etwa: „Die Lehren der Macht“) für Schlagzeilen.

Auf einer literarischen Tour de France stellt der früher viel gescholtene Hollande sein Werk in Buchhandlungen vor. „Es gibt eine enorme Sympathie für ihn“, sagte seine Verlegerin Sylvie Delassus der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Sie zählte 56 Auftritte des Promi-Autors innerhalb von drei Monaten.

„Die Menschen warten drei bis vier Stunden, um eine Widmung zu bekommen. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, erzählt Delassus. Hollande werde als menschlich angesehen, außerdem habe er keine Affären am Hals. Die Auflage habe die Marke von 100.000 Exemplaren überschritten. Im Kalender ist der 31. August bereits rot angestrichen - dann will der einst mächtigste Mann der Grande Nation zusammen mit seinem früheren Premierminister Bernard Cazeneuve in der Hafenstadt Cherbourg auftreten.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

In seinem Buch gibt Hollande offenherzig Einblick in sein Leben im geschichtsbeladenen Elysee-Palast. „Der französische Präsident ähnelt einem gewählten Monarchen“, lautet eine Einsicht, die zu denken gibt. Er berichtet von den wöchentlichen Kabinettssitzungen, bei denen die Ministerinnen und Minister aufstehen, wenn der - von einem Amtsdiener angekündigte - Staatschef den Saal betritt.

Hollande scheut auch nicht vor einem Tabuthema zurück, das immer wieder für Debatten sorgt: der gezielten Tötung von Terroristen. Er habe grünes Licht gegeben, gegen einen Anführer in einer Wüstengegend zuzuschlagen, berichtet der Ex-Präsident. So ganz neu ist das nicht: Schon 2015 vertraute er zwei Enthüllungsjournalisten an, mindestens vier Aktionen dieser Art gegen Staatsfeinde entschieden zu haben.

Hollande spricht in den Memoiren zwar von der „Freundin Angela“. Doch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel formierte er kein prägendes deutsch-französisches Paar, wie es Helmut Kohl und Francois Mitterrand oder Helmut Schmidt und Valery Giscard d‘Estaing gewesen waren. „Frau Merkel und ich haben nicht die gleiche Empfindsamkeit, aber wir haben immer zusammengearbeitet“, bilanzierte Hollande einmal bei einem EU-Gipfel.

Hollandes Verhältnis zu seinem sozialliberalen Nachfolger Emmanuel Macron (40) gilt als gespannt. Spott kann sich der Polit-Pensionär gelegentlich nicht verkneifen: Macron sei nicht ein Präsident der Reichen, sondern der sehr Reichen, sagte er einmal. Die Zeiten, als Hollande den ehrgeizigen Macron als eine Art Ziehsohn im Elyseepalast unter seine Fittiche nahm, scheinen lange zurückzuliegen. Eine Gemeinsamkeit bleibt: Beide Politiker stammen aus Arztfamilien in der Provinz.

Der häufig als farblos gescholtene Ex-Präsident lässt es nicht an Selbstbewusstsein mangeln: „Ich bin nicht mehr der Präsident, sondern ein Präsident“, vertraute er unlängst der Zeitung „Le Monde“ an. Schon wegen Fragen der Sicherheit könne er sich nicht aufführen wie er wolle. Eine 2016 erlassene Verordnung habe es ihm erlaubt, nach dem Abschied von der Macht sieben von staatlichen Stellen bezahlte Mitarbeiter anzuheuern, berichtete das Blatt.

Hat Hollande politisch noch eine Zukunft? Diese Frage wird angesichts des Bucherfolgs nun häufiger gestellt. Eine klare Antwort darauf fehlt. Seine Parteifreunde sind in der Nationalversammlung nur noch in einer Minifraktion vertreten, von einem internationalen Amt ist bisher nicht die Rede. Der frühere Herr des Elyseepalastes selbst ergeht sich in wolkigen Formulierungen: „Zu sagen, dass ich glücklich bin, nicht mehr Präsident zu sein - nein. Das heißt aber nicht, das ich es wieder sein will“, beichtete er „Le Monde“.

Hollande hat nach eigenem Bekunden die Einschränkungen des prunkvollen Präsidenten-Amtssitzes an der schicken Rue du Faubourg Saint Honore zur Genüge kennengelernt: „Es ist nicht möglich, ein Privatleben im Elysee zu haben“, sagte er schon vor längerem. In seinem Buch lobt er seine als diskret geltende Lebenspartnerin Julie Gayet. Sie habe weiter als Schauspielerin und Filmproduzentin gearbeitet und sei dem offiziellen Präsidentenleben ferngeblieben.

Die enorme Machtfülle des Staatschefs kann offensichtlich auch dazu führen, sich um alles zu kümmern. So durften Medien keine Bilder seiner Labrador-Hündin Philae mit ihren zehn Jungen machen. „Für mich haben auch Hunde ein Recht auf ihr Privatleben“, resümiert der prinzipienfeste Hollande.


Kommentieren