Einsprüche könnten Straßenbau in Fügen einbremsen

Wie schnell die Fügener zu ihrer Umfahrung kommen, hängt nun davon ab, wie sehr die Behörde aufs Gas tritt. Dann wird vier Jahre lang gebaut.

© Land Tirol/Eqvis

Von Eva-Maria Fankhauser

Fügen –Bis zu 29.000 Fahrzeuge an nur einem Tag fahren auf der B169 Zillertalstraße im Bereich Fügen. Damit gilt sie als eine der meistbefahrenen Verkehrsverbindungen in ganz Tirol. Und das kostet die Autofahrer jede Menge Nerven und Zeit. Denn viel zu oft geht es nur noch Stoßstange an Stoßstange voran – egal, zu welcher Jahreszeit.

Der Staupunkt Fügen soll künftig aber entschärft werden. Am Dienstag fand die straßenrechtliche Verhandlung für die Umfahrungsstraße statt. Nun startet das Behördenverfahren. „Wir sind mit dem Projekt in der Zielgeraden“, sagt LHStv. Josef Geisler. Doch die Zielgerade wird sich noch mehrere Jahre hinziehen. Die Bauzeit ist mit etwa vier Jahren veranschlagt. Sie beginnt aber erst, wenn die Behördenverfahren abgeschlossen sind. Wie lange die dauern, könne man laut Christian Molzer, Leiter der Abteilung Verkehr und Straße, nicht abschätzen: „Nun muss die Behörde alles abarbeiten, wie das Wasserrechts- oder Naturschutzverfahren.“

Neun Einsprüche habe es laut BM Dominik Mainusch bei der straßenrechtlichen Verhandlung mit den über 120 Parteien gegeben. „Die Stellungnahmen, Sorgen und Wünsche der Grundeigentümer und anderer betroffener Berechtigter hat die Behörde aufgenommen“, sagt er. Man sei bemüht, mit allen eine Übereinkunft zu treffen. Aber eines stellt der Ortschef klar: „Aus meiner Sicht ist es ausgeschlossen, dass das Projekt nicht verwirklicht wird. Das ist in Stein gemeißelt.“

Ein Großteil der Grundeigentümer hat sich laut Molzer für einen Tauschgrund entschieden. Dazu wird parallel zum Straßenbauprojekt ein Agrarverfahren gestartet – die TT berichtete. „Jeder, der einen Tauschgrund will, kriegt einen. Das ist nicht üblich, sondern in diesem Fall Luxus“, sagt Mainusch. Die anderen erhalten eine finanzielle Entschädigung.

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Was den Inhalt der neun Einsprüche im Detail angeht, könne Mainusch derzeit nichts sagen – „das ist ein laufendes Verfahren“. Er geht aber davon aus, dass man mit allen eine Einigung finde. „Falls ihre Erwartungen zu weit von dem entfernt sind, was möglich ist, dann braucht es eben Zwangsrechte bzw. eine Enteignung“, stellt er klar.

Die Befürchtungen, dass sich das Verfahren durch die Einsprüche oder erneuten Gutachten verzögert, ist in Fügen groß. Laut Mainusch sei im Bauzeitplan ein Start mit Ende 2019 angepeilt. „Wenn alles glattläuft, ist das realistisch. Doch sobald Einsprüche aufrechtbleiben, kann das alles sehr verzögern.“

Das Gesamtprojekt umfasst den Neubau der Zillertalstraße im Abschnitt Fügen-Nord bis zum bestehenden Knoten Süd, die L298 Harter Straße in der Gemeinde Fügen bis zur Zillerbrücke sowie die Verlegung der Zillertalbahn. „Man muss aber ganz ehrlich sagen, dass das Projekt keinen Einfluss auf das Verkehrsaufkommen auf der B169 hat“, sagt Geisler. Dazu brauche es noch weitere Maßnahmen, wie den Ausbau der Zillertalbahn und die Errichtung einer zweiten Innbrücke zur Verbesserung der Auffahrtssituation vom Zillertal auf die A12 Richtung Kufstein.

Insgesamt belaufen sich die Kosten für das Großprojekt auf 95 Mio. Euro, wobei die Umfahrung 67 Mio. Eur­o kostet. Der Rest summiert sich durch die Verlegung der Zillertalbahn, Querungen, Lärmschutz etc. Rund 6 Mio. Euro sind veranschlagt, um den Verkehr während der Bauzeit aufrechtzuerhalten. Dafür gibt es laut Molzer bereits ein konkretes Konzept. Staut es während der Bauzeit dann mehr? Laut Molzer nicht: „Ein paar Einschränkungen wird es immer geben. Aber es soll auf einem hohen Niveau abgewickelt werden.“ BM Mainusch sieht das anders: „Selbstverständlich ist es nicht auszuschließen, dass der Stau mehr wird.“ Aber es gehe nunmal nicht anders.


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