Soziales und partizipatives Wohnen: „Europas beste Bauten“ im Az W

Wien (APA) - Wohnraum ist ein ewiges Streitthema. Leistbar soll er sein, aber auch nachhaltig in seiner Konzeption und Einbettung in bereits...

Wien (APA) - Wohnraum ist ein ewiges Streitthema. Leistbar soll er sein, aber auch nachhaltig in seiner Konzeption und Einbettung in bereits Bestehendes. Wie dies gelingen kann, zeigt die alle zwei Jahre stattfindende Ausstellung „Europas beste Bauten“ im Architekturzentrum Wien (Az W). Denn heuer wurden mit dem zugrunde liegenden Mies-van-der-Rohe-Preis der EU gleich zwei Wohnbauprojekte ausgezeichnet.

Waren es zuletzt vorzugsweise Kulturbauten, die sich beim mit insgesamt 80.000 Euro dotierten Wettbewerb durchsetzen konnten, gingen nun also erstmals Haupt- wie Nachwuchspreis an Wohnbauten. Einerseits wurde das Projekt De Flat Kleiburg von NL architects und XVW Architectuur mit der renommierten Auszeichnung bedacht: Das in Amsterdam realisierte Vorhaben hat sich im Kern mit einer „partizipativen Sanierung und Aufwertung eines Plattenbaus aus den 1960er Jahren“ beschäftigt. Hier wurden die neuen Bewohner selbst eingebunden, um ihre Wohnungen auszubauen.

Als bestes Nachwuchsprojekt wurde ein sozialer Wohnbau der Büros MSA und V+ in Brüssel prämiert: Der als Navez titulierte Bau umfasst fünf Sozialwohnungen für kinderreiche und einkommensschwächere Familien, der sich in erster Linie durch räumliche Großzügigkeit, aber auch die Signalwirkung des Gebäudes für das gesamte Viertel auszeichnen. Az W-Direktorin Angelika Fitz versteht die Preise für beide Projekte jedenfalls als „klares Zeichen für eine Reorientierung der Architektur in Richtung einer gebauten Verteilungsgerechtigkeit und des Haushaltens mit Ressourcen“, wie sie in den Presseunterlagen zur Schau zitiert wird.

Insgesamt wurden 355 Projekte aus 36 europäischen Ländern für den Preis eingereicht und von einer Jury auf eine Shortlist von 40 Bauten reduziert. Diese sind alle in der von Ivan Blasi und Anna Sala Giralt kuratierten Ausstellung zu sehen. Ergänzt werden sie durch jene 18 Vorhaben, die federführend von heimischen Büros umgesetzt wurden oder österreichische Beteiligung aufweisen. Zu sehen sind die Exponate ab dem morgigen Donnerstag bis zum 22. Oktober, wobei es am 12. September einen Vortrag zum Gewinnerprojekt aus Brüssel und am 10. Oktober einen Besuch von NL Architects in Wien gibt. Weiters ist für den 13. Oktober ein Workshop geplant und gibt es an fünf Nachmittagen Führungen durch die Schau.

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Grund zum Feiern haben übrigens nicht nur die ausgezeichneten Architektenteams: Das Az W vermittelt seit bereits 25 Jahren, was Architektur alles sein kann. Der zweite Teil der großen Jubiläumsparty ist für den 19. September anberaumt, wobei im Mittelpunkt die Frage steht: „Was kann ein Architekturmuseum?“ Das wird eine Gesprächsrunde mit u.a. Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne), Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) und Jürgen Meindl, Leiter der Kunst- und Kultursektion im Bundeskanzleramt, erörtern. Der Festvortrag kommt von Kaye Geipel von der deutschen Architekturzeitschrift „Bauwelt“.

(S E R V I C E - Ausstellung „Europas beste Bauten. Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur, Mies van der Rohe Award 2017“ von 23. August bis 22. Oktober in der Ausstellungshalle 2 des Architekturzentrums Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien. Täglich von 10 bis 19 Uhr. Weitere Informationen unter www.azw.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder zur Ausstellung stehen unter http://go.apa.at/qQuqYdc5 zum Download bereit.)


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