Eine Woche Normalität für Eltern schwerkranker Kinder

Die Arche Herzensbrücken bietet in einem Hotel in Seefeld etwas Urlaub von den Alltagssorgen an. Der ehrenamtliche Einsatz dabei ist enorm.

© Szeli

Von Marco Witting

Seefeld –Normalität. Etwas, das so unvorstellbar, so weit weg klingt für Menschen, die ihre kleinen Kinder tagtäglich pflegen müssen, weil diese schwerkrank sind. Normalität. In einem Alltag voller Sorgen, voller Ängste, finanzieller Nöte. Ein Stück Normalität nur – und sei es für eine Woche. Das suchen und finden Eltern schwerkranker Kinder auch in diesem Sommer in Seefeld. Die Arche Herzensbrücken bietet den Eltern eine Auszeit für eine Woche – inklusive der Betreuung tagsüber für die oft chronisch oder unheilbar kranken Kinder. Der Großteil durch Spenden finanziert und für die Familien nahezu kostenlos. Noch nie von der Arche gehört? Sie arbeitet auch etwas abseits der großen Aufmerksamkeit. Doch für jene 70 Familien, die ihre Dienste seit 2015 in Anspruch genommen haben, war sie ein Segen.

2013 hatte Horst Szeli eine Vision. Das Hotel Solstein in Seefeld, seit Jahrzehnten von Szelis Frau Doris betrieben, soll Familien mit schwerkranken Kindern die Möglichkeit eines normalen Urlaubs bieten. Warum? „Weil solche Familien nirgends die Möglichkeit haben, ihre Kinder bei sich zu haben, gut betreut zu wissen, und gleichzeitig etwas abzuschalten.“ Das ganze Hotel wollte Szeli ursprünglich umbauen – und begab sich auf Sponsorensuche. Die Vision hat sich zur jetzt vorliegenden Version entwickelt. Vier Familienzimmer hat man umgebaut. Bedarfsgerecht für alle Krankheitsbilder. Daneben gibt es in den restlichen Zimmern einen herkömmlichen Hotelbetrieb. „Das ist gelebte Inklusion“, sagt Szeli. Der Hintergrund sei für ihn ganz klar: „Wir wollten nicht die Spende­n dafür verwenden, um erst die Zimmer zu adaptieren. Wir wollten einfach starten, weil der Bedarf gegeben ist.“

Im Internet

Weitere Informationen finden Sie auf www.herzensbruecken.at

Der ist gegeben. Mittlerweile gibt es eine österreichweite Warteliste. „Wir bieten die Betreuung so lange an, solange unsere Spendengelder ausreichen“, sagt Szeli. Semester-, Oster- und Sommerferien sind das aktuell – heuer noch bis zum 3. September.

Die Eltern zahlen einen kleinen Selbstbehalt – je nach finanziellem Einkommen. Doch dies bleibt gering, weil die Familien auch sonst schon mit sehr hohen Kosten konfrontiert sind. „Wir bieten eine komplette Versorgung für die Kinder untertags und kümmern uns auch um die Geschwisterkinder der Familien, die sonst oft viel zu kurz kommen“, sagt Ines Paratscher, fachliche Koordination der Arche. Die ausgebildete Gesundheits- und Krankenschwester betreut das Projekt in ihrem eigenen Urlaub. So wie der Familie Szeli ist es auch ihr eine Herzensangelegenheit. Ob sie Idealisten sind? Möglich, sagen die Initiatoren, die stark auf viele ehrenamtliche Helfer zurückgreifen können. Therapiestunden und Pflege müssen aber – aus rechtlicher Sicht – bezahlt werden.

Und was sind die schönen Seiten dieser Aufgabe? „Wenn die Eltern zu uns kommen, dann sind sie oft leer und ausgepowert. Und wenn die Kinder nach einer Woche nicht mehr gehen wollen und die Eltern strahlen und vielleicht in einer Woche so viel Zeit miteinander verbringen konnten wie zuvor nicht in vier Jahren, dann entschädigt uns das natürlich“, sagt Szeli. Seine Vision von einem ganzen Haus, das nur für solche Familien da ist, hat er noch nicht aufgegeben. Die Arche soll weiter wachsen – dafür sei man auf Sponsoren und Spenden angewiesen, sagt Szeli.

Dann geht’s raus auf die Terrasse, wo Kinder auf einem Trampolin springen. Manchmal ist Normalität nur einen Sprung entfernt.


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