Pressestimmen zu Kneissls Hochzeit - „Guardian“: Schlag für EU

Wien (APA) - Internationale Zeitungen kommentieren die Teilnahme des russischen Präsidenten Wladimir Putin an der Hochzeit von Außenminister...

Wien (APA) - Internationale Zeitungen kommentieren die Teilnahme des russischen Präsidenten Wladimir Putin an der Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) in ihren Mittwoch-Ausgaben:

„Kyiv Post“ (Kiew):

„Kneissl tanzte an ihrem Hochzeitstag buchstäblich mit dem Tod. Und ihr Tanz ist gefährlich für ganz Europa. Kneissl erklärte, Putin zu einer privaten Feier und einem privaten Besuch eingeladen zu haben. Oh, Frau Kneissl, Sie hätten nicht mit dem Kreml tanzen sollen. Die ukrainische Regierung tanzte mit ihm für mehr als 20 Jahre. Das Resultat war, dass unser Land praktisch an Russland verkauft wurde. (...) Kneissl, so wie viele andere radikale Politiker aus der ganzen EU, sind seine (Putins, Anm.) treue Lakaien geworden.“

„Guardian“ (London):

„Putin versteht, dass Bilder neue Realitäten erschaffen können. Seine Drehung auf der Tanzfläche wird genau durchdacht gewesen sein. Es ging weniger darum, frisch vermählte Liebe zu feiern, sondern die europäischen Liberalen zu bestrafen und den europäischen Werten und der politischen Architektur einen Schlag zu versetzen. Dass die derzeitige österreichische Regierung mitspielte, spricht Bände darüber, was nun ihre Gesprächspartner in Paris, Berlin und Brüssel erwartet. Mit der extrem rechten Freiheitlichen Partei in der Regierung verwandelt sich Österreich gerade in das Trojanische Pferd Putins im Herzen Europas. Putins Walzer war weit mehr als ein ‚PR Stunt‘, um zu zeigen, dass er Freunde im Westen hat - obwohl Russland bezichtigt wird, hinter Giftanschlägen und anderen Dingen zu stecken. Was er wirklich geschafft hat, ist - mit einer Rede in einwandfreiem Deutsch - zu zeigen, dass er fähig ist, Europas Ehrgeiz, wieder Wind in die Segeln zu bringen, zu stören. (...) Es ist zwar beruhigend, dass der Putin-Kneissl-Tanz einen ziemlichen Aufschrei, nicht zuletzt auf Seiten der österreichischen Opposition, verursachte. Aber er stach einen Dolch in die europäischen Interessen und Gründungsprinzipien.“

„Diena“ (Riga):

„Obwohl die Hochzeit eine private Veranstaltung war, kam die Anwesenheit von Putin aus politischer Sicht nicht überraschend. Die FPÖ, die die österreichische Außenministerin nominiert hat, hat nie ihre wohlgesonnene Einstellung gegenüber Moskau und ihre skeptische Haltung gegenüber Brüssel verborgen. Ähnlich ist auch die Auffassung der gesamten österreichischen Regierung. Aber nicht aus einer plötzlichen Laune heraus, sondern weil eine solche Position eine ziemlich starke Unterstützung unter den Wählern findet. Österreich hatte schon eine besondere Beziehung zu Russlands Vorgänger, der UdSSR. (...) Daher muss man sich nicht wundern, dass die offizielle freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Ländern in gewisser Weise auch auf privater Ebene freundschaftlich ist. Eine andere Frage ist, wie weit öffentliche Manifestationen dieser Freundschaft gehen können.“


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