Brückeneinsturz in Genua - Debatte über Autobahn-Verstaatlichung

Genua (APA) - Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke tobt in Italien eine Debatte über eine Verstaatlichung des Autobahnnetzes. „Nach der Tr...

Genua (APA) - Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke tobt in Italien eine Debatte über eine Verstaatlichung des Autobahnnetzes. „Nach der Tragödie in Genua ist die Verstaatlichung des Autobahnsystems kein Tabuthema mehr“, sagte Vize-Verkehrsminister Edoardo Rixi nach Medienangaben.

Rixi zufolge müsse das System der Autobahnkonzessionen für private Betreiber geprüft werden. Die Gesellschaft Autostrade per l‘Italia, Tochter der von der Familie Benetton kontrollierten Infrastrukturholding Atlantia, betreibt die Autobahn, zu der die in Genua eingestürzte Brücke gehört. Bei dem Unglück kamen vergangene Woche mehr als 40 Menschen ums Leben. Die Regierung in Rom wirft Autostrade vor, nicht für eine sichere Brückenstruktur gesorgt zu haben. Sie will dem Unternehmen nun die Zuständigkeit für fast 3.000 Autobahnkilometer entziehen.

Befürworter der Verstaatlichung des Autobahnnetzes nehmen sich Österreich als Beispiel. „Autobahnen in öffentlicher Hand können funktionieren. Es gibt erfolgreiche Beispiele in Österreich, Deutschland und in Großbritannien“, kommentierte der Präsident der Region Toskana, der Sozialdemokrat Enrico Rossi.

75.000 Bürger in Genua unterzeichneten eine Petition auf der Internet-Plattform Change.org, mit der die Verstaatlichung von „Autostrade per l‘Italia“ gefordert wurde. „Die Italiener zahlen enorme Summen für die Autobahnmaut und erhalten dafür schlechte Dienstleistungen. Trotz milliardenschwerer Einnahmen der Autobahnbetreiber stürzen Brücken und Viadukte in Italien ein. Es ist Zeit, Schluss zu sagen“, betonte der Initiator der Aktion, Mirko Bertoldi. Mit der Petition fordert Bertoldi die Einführung eines Vignetten-Systems nach Schweizer Modell statt der in Italien geltenden Maut.

Ex-Parlamentspräsident Pier Ferdinando Casini meinte, die Verstaatlichung des Autobahnnetzes sei keine Antwort auf die Nachfrage nach mehr Sicherheit im italienischen Infrastruktursystem. Die Privatisierungen der vergangenen Jahrzehnte dürften nicht rückgängig gemacht werden. Wichtig seien jedoch mehr Sicherheitskontrollen.


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