Ein Fragezeichen der neuen Förderstruktur im Spitzensport

Wenn Fördernehmer in Sachen Fördergebung mitentscheiden, ergeben sich Unvereinbarkeiten. Im österreichischen Sport keine Seltenheit.

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien holten die Segler Thomas Zajac and Tanja Frank mit Bronze Österreichs einzige Medaille.
© gepa

Von Florian Madl

Innsbruck –Alles neu machen wollte Hans Peter Dos­kozi­l (SP), als der Burgenländer noch in der Funktion des Sportministers auftrat. Man kannte die Reform-Worthülsen hinlänglich von seinen Vorgängern: verkrustete Förder­strukturen, mangelnde Transparenz, „Gießkannen-System“.

Das Resultat aus den medaillenlosen Olympischen Sommerspielen in London (2012): ein Projekt Rio, das schon vier Jahre später Wirkung zeigen sollte – ein Ding der Unmöglichkeit in dem auf Langfristigkeit basierenden Spitzensport. Das tat es dann auch nicht (eine Medaille im Segeln/2016), aber ein Anfang war gemacht. Und die Ankündigung eines neuen Bundessport-Förderungsgesetzes, das mit Beginn 2018 in Kraft trat, sollte die Reform begleiten. Die Bündelung aller Förderstellen in einer Kapitalgesellschaft (Geschäftsführer: Ex-Tennisspieler Clemens Trimmel) sollte zur Transparenz beitragen, ein 16-köpfiger Beirat zur Entscheidungs­findung. Es gilt 80 Millionen Euro (abzüglich der 5 Prozent Rücklage) zu verteilen.

Doch schon beim SP-Wechsel in die Opposition wurde offensichtlich, dass Doskozils Nachfolger Heinz-Christian Strache (FP) keine rechte Freude mit dem neuen Konstrukt haben könnte. Der neue Sportminister räumte schon kurz nach Dienstantritt im Februar 2018 bei seinem Besuch der Olympischen Winterspiel­e in Pyeongchang (Südkorea) ein, „nach dem Sommer“ die Bewertung des Gesetzes vorantreiben zu wollen. Es sei etwa „kritisch zu hinterfragen“, dass Fördergeber und Fördernehmer in einem GmbH-Bereich vertreten seien. Beispiel:

Das für die Vergabe der Spitzensportförderungen in der Bundessport GmbH installierte Beratungsgremium (Verteilungsvolumen: 7 Mio. Euro) setzt sich vorwiegend aus Fachverbandsvertretern zusammen: Die olympischen Sommersportverbände entsandten Christoph Sieber (Segelverband, Österreichisches Olympisches Komitee) und Markus Moser (Judoverband), die olympischen Wintersportverbände Peter Schröcksnade­l (Ski) und die nichtolympischen Verbände Christian Gormasz. Seitens des Sportministeriums wurden Kabinettschef-Stellvertreter Philipp Trattner und Walter Kabas nominiert. Gesetzlich abgesichert, keine Frage, aber der Rechnungshof monierte schon in der Vergangenheit die Intransparenz möglicher Entscheidungen. Und demnächst soll wieder ein Rohbericht des Rechnungshofs vorliegen, der auch darauf eingehen könnte. Seitens des Sportministeriums wollte sich deshalb Philip­p Trattner (Spitzensport-Gremium) nicht dazu äußern. Aber die Skepsis bleibt. Möglicherweise muss das Gesetz nachgeschärft werden.

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