Im Bann von Schmarrn und Bergen

Am Mittwoch wurden die japanischen Austauschjugendlichen in Reutte mit traditionell österreichischen Mozartkugeln empfangen. Schon nach wenigen Stunden waren sie von den neuen Eindrücken überwältigt.

Nach dem offiziellen Empfang ging es für die Gäste aus dem fernen Osten auf die Highline – Adrenalinschub inklusive.
© Celine Veldboer

Von Celine Veldboer

Breitenwang –„Den Mythos, dass alle Japaner gleich ausschauen, kann ich widerlegen“, witzelt Anna Adler, „und das, obwohl ich mir keine Gesichter merken kann.“ Gemeinsam mit fünf weiteren Jugendlichen aus dem Bezirk Reutte nahm sie erst kürzlich am Jugendaustausch der Gemeinden Reutte und Breitenwang und der Partnerstadt Esashi Oshu in Japan teil. Dieser wurde 1995 ins Leben gerufen, um es Jugendlichen zu ermöglichen, die dortige Kultur kennen zu lernen, ein offenes Weltbild zu erhalten und neue Freundschaften zu knüpfen. Seither haben bereits 100 Jugendliche diese Chance wahrgenommen.

Während ihres Auslandsaufenthaltes leben die Jugendlichen bei Gastfamilien und werden von einer Begleitperson unterstützt. Die Reisekosten tragen die Gemeinden. „Um mein Englisch zu perfektionieren, eine neue Kultur zu entdecken und später einmal was zu erzählen zu haben“, so die Antworten von Yosuke Kubo auf die Frage, was ihn dazu motiviert habe, an dem Austausch teilzunehmen. Auch die Cousinen Kyoka und Ran Kamei sind sich einig, das Beste an dem Austausch sei das Erleben einer anderen Kultur. „Begeistert bin ich jedoch auch vom traditionellen österreichischen Essen. Am liebsten würde ich einmal zuschauen, wie man süße Speisen wie Kaiserschmarrn zubereitet, und sie selber kochen“, ergänzt Ran.

Alle sechs japanischen Freunde sind zum ersten Mal in Österreich. Obwohl sie erst am Dienstag im Außerfern angekommen sind, haben sich bei ihnen schon viele Eindrücke eingeprägt. Ein Besuch auf der Ruine Ehrenberg und der Highline 179 bescherte am Mittwoch einen weiteren Wow-Effekt bei den Teenagern aus dem Land der aufgehenden Sonne. Diese sorgte für Faszination – zumindest bei den Schwindelfreien unter ihnen.

Offizieller Empfang der asiatischen Gäste.
© Celine Veldboer

Leopold Schweiger ist den anderen Weg gegangen: Er genoss bereits seine Austauschwoche in Japan und erzählt: „Am meisten irritierte mich die Art und Weise zu duschen. Die Japaner stellen sich doch tatsächlich neben, anstatt in die Badewanne. Das Wasser prasselt dementsprechend auf den Boden und läuft hinterher in einem schwimmbadähnlichen Ausguss wieder ab.“ Schweiger entschloss sich für den Austausch, um seine Neugierde bezüglich der neueren Technologien, welche in Japan vorherrschen, zu stillen. Er stellte jedoch ernüchtert fest, dass die Japaner sich High-tech-mäßig auf ähnlichen Standards bewegen wie wir. In einer Sache seien wir ihnen allerdings voraus, und das sind „bequeme, weiche Betten“, ergänzt Sebastian Jäger.

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Was den Japanern bei uns am meisten auffällt, sind „die Natur und die hohen, eindrucksvollen Berge. Unsere Berge würde man eher als Hügel bezeichnen“, schwärmt Akira Kamei, Begleitperson der japanischen Delegation. Auch er entdeckt die Tiroler Landschaft zum ersten Mal.

Um fremde Kulturen kennen zu lernen, muss man nicht zwangsläufig reisen. Dies stellte Cornelia Jäger fest. Die Gastmutter deckte, wie jeden Morgen, den Frühstückstisch – inklusive frischem Brot. Dieses wurde aber nicht gegessen, sondern skeptisch beäugt. Das Gastkind aus dem Fernen Osten erklärte, dass in Japan kein Brot, sondern Suppe oder Reis gefrühstückt werde. Das von Jäger angebotene süße Gebäck sorgte für mehr Begeisterung – und einen tollen Start in den Tag.


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