Spiel mit der Fiktion: „Be The Cowboy“ heißt es bei Mitski - Popnews

Wien (APA) - *...

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Sie habe mit „Narration und Fiktion experimentiert“, erzählt die japanisch-amerikanische Musikerin Mitski über ihre neue Platte. Auf „Be The Cowboy“ habe sich versucht, die Figur einer „sehr kontrollierten, aber auch kalten Frau“ zu entwerfen. „Weil Frauen oft wenig Macht haben und das Zeigen von Emotionen als Schwäche angesehen wird, ist dieser Charakter so erpicht darauf, die völlige Kontrolle zu bekommen“, wird Mitski von ihrem Label zitiert. „Und gleichzeitig gibt es etwas Primitives, Ursprüngliches, das aus ihr ausbrechen will.“ Musikalisch drückt sich das in oft kräftig zupackendem Indie-Rock aus, den Mitski schon auf ihren Vorgängerwerken zelebrierte, aber auch einer äußerst ausgefeilten Instrumentierung. Das Verspielte und Unberechenbare früherer Tage hat sie dabei sogar noch ausgebaut - eine Platte voller Finten und Überraschungen, die mehr als willkommen sind.

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Die Erwartungshaltungen waren groß: Die US-Metalband Skeletonwitch gehörte schon bisher zu den spannendsten im Zirkus, wenngleich die Songs oft eine augenzwinkernde Note hatten. Für ihren neuesten Output „Devouring Radiant Light“, das erste Album mit dem neuen Sänger Adam Clemans, hat man sich offenbar einen ernsthafteren Zugang vorgenommen. Und der geht auf: Schon der mächtige Opener „Fen of Shadows“ besticht durch Abwechslungsreichtum, mächtige Riffs und ein Songwriting, das sich nicht vor Größen der Zunft verstecken muss. So ziemlich alles, was in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten an gelungener extremer Musik auf den Markt geworfen wurde, wird hier eindrucksvoll durcheinandergewürfelt. Brachial, dabei aber durchaus für eingängige Melodien zu haben, und mit Clemans ein peitschender Shouter am Mikrofon - dieses Erfolgsrezept sollte sich Skeletonwitch auch künftig beibehalten.

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Nicht verändern, was funktioniert: Das haben sich Ken Mode vorgenommen. Seit bald 20 Jahren macht die kanadische Truppe infernalischen Lärm mit harter Kante, drückt im schwarzmetallisch gefärbten Hardcore alles und jeden an die Wand. So auch auf Album Nummer sieben, dem erneut mit einem Wort auskommendem „Loved“. Sänger und Gitarrist Jesse Matthewson und seine Kollegen haben dabei keine Angst vor genreuntypischen Ausflügen, wussten schon bisher elektronische Spielereien einzubinden und vergessen dennoch nicht darauf, den Song nicht aus den Augen zu verlieren. „Feathers & Lips“ gelingt dabei als massiver Stampfer, „Not Soulmates“ für das so geschätzte Chaos ziemlich eindrucksvoll vor Augen. Geliebt? Ja, dieser Titel passt irgendwie - Anhänger des gepflegten Lärms kommen hier voll auf ihre Kosten.

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Zwei im Bro-Style aneinandergelegte Babyfäuste auf dem Cover machen es deutlich: Hier sind gute Freunde am Werk. Die deutschen Rapper Casper und Marteria sind ja nicht erst seit gestern zusammen unterwegs, gab es doch immer wieder Kollaborationen. Das mündet nun im gemeinsamen Album „1982“, das Ende August in den Läden stehen wird. Und die bisher veröffentlichten Tracks wie „Supernova“ oder „Champion Sound“ orientieren sich ganz am bestens etablierten Stil der beiden erfolgsverwöhnten Musiker - knackige Beats, gern ins Pop- oder Rockfeld reichende Arrangements und die so gegensätzlichen Stimmen der Teenie-Lieblinge geben den Ton an. Neu klingt das zwar nicht, aber gut gemacht. Die Smartphones werden wohl wieder glühen.

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Ihre Ankündigung, das nächste Album eher mit vollen Bandsound auszustatten, hat sie umgesetzt: Emma Ruth Rundle, US-amerikanische Musikerin mit Faible für dunkle Kompositionen, veröffentlicht Mitte September „On Dark Horses“. Wie schon der Vorgänger „Marked For Death“ ist es ein Album, das sich eher im Herbst und Winter aufdrängt, wenngleich Stücke wie „Fever Dreams“ eine Spur optimistischer klingen, als man es zuletzt von Rundle gewohnt war. Vor allem aber kommt der raumgreifende Postrock-Sound ihrer Ex-Band Marriages wieder zur Geltung - so wird in Refrains und Bridges Sound um Sound aufgetürmt, strebt man der Katharsis entgegen. Auch am rhythmischen Fundament hat Rundle die Schrauben ganz offensichtlich etwas fester angezogen, bleibt trotz der atmosphärischen Ausgestaltung ein ausreichend groovendes Grundgerüst bestehen. Als Songwriterin wagt sie den nächsten Schritt, und sie setzt ihn mit offenkundiger Sicherheit.


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