Teilen statt Kaufen: Carsharing in Österreich mit Luft nach oben

Drei bis 15 Autos könnte laut Studie einen Privatwagen ersetzen. Der VCÖ setzt sich für einen Ausbau von Carsharing in ganz Österreich ein.

Car2go ist einer der großen Carsharing-Anbieter. Der Dienst wurde 2008 von Daimler gegründet.
© APA

Wien – In Österreich nutzen bereits mehr als 100.000 Haushalte Carsharing. Das Potenzial ist laut Angaben des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) jedoch noch um ein Vielfaches höher. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien forderte der Club ein entsprechendes Gesetz nach deutschem Vorbild.

„21 Prozent der heimischen Pkw-Lenker nutzen nur selten ein Auto“, sagte VCÖ-Experte Markus Gansterer. Ein Fünftel verwendet überhaupt nie ein Auto. In Wien – wo es das größte Carsharing-Angebot gibt – geben gleich 42 Prozent der Fahrer an, nur mehrmals im Monat oder noch seltener mit dem Auto zu fahren. Österreichweit gibt es 100.000 Haushalte, die eine Carsharing-Mitgliedschaft haben. 380.00 Österreicher teilen Autos mit Freunden oder Verwandten. In Haushalten mit Zweit- und Drittwagen sind „höchstens zehn Prozent der Pkw gleichzeitig unterwegs“, berichtete Gansterer.

Gemeinsames Nutzen verbessert Umweltbilanz

Studien hätten ergeben, dass ein Carsharing-Fahrzeug etwa drei bis 15 private Autos ersetzen kann. Durch das gemeinsame Nutzen eines Autos „verändert sich das Mobilitätsverhalten und die Umweltbilanz wird besser“, sagte Ganzer vom VCÖ. Außerdem ist das Teilen dank der Digitalisierung heute einem viel größerem Personenkreis zugänglich. Neben stationsbasierten Modellen, bei denen das Auto an einem bestimmten Parkplatz abgestellt werden muss, gibt es free-floating Modelle. Hierbei hat das Fahrzeug keinen festen Standort, sondern steht dort, wo der letzte Nutzer es geparkt hat. Letzteres ist am stärksten verbreitet.

Bei Unternehmen wie DriveNow oder Car2go gibt es mittlerweile auch Carsharing bei Wohnhausanlagen oder auch über Firmen, die einen Teil ihres Fuhrparks zur Verfügung stellen. In Wien haben die großen Anbieter DriveNow und Car2go bereits mehr als 140.000 Nutzer, hieß es bei der VCÖ-Pressekonferenz.

Um das Sharing-Potenzial in Österreich besser nutzen zu können, braucht es laut den Verkehrsexperten verbesserte Rahmenbedingungen. Deshalb fordert der Club nun ein eigenes Gesetz, das es beispielsweise Gemeinden und Städten erleichtert, öffentliche Parkplätze für Carsharing zu nutzen.

Verändertes Mobilitätsverhalten der Nutzer

Das geteilte Auto ist auch in Deutschland immer mehr im Kommen. Rund 40 Prozent der Carsharing-Mitglieder gaben in einer Befragung an, seltener mit dem Auto zu fahren, dafür aber immer häufiger mit Bus und Bahn. Außerdem meldeten mehr als die Hälfte der Nutzer vor ihrem Beitritt ihr eigenes Auto ab.

Auch in Wien hat sich aufgrund der Angebote das Mobilitätsverhalten verändert und die Zahl der Autofahrten wurde reduziert. Lenker, die free-floating Carsharing nutzen, fahren deutlich weniger mit dem Taxi, etwas weniger mit öffentlichen Verkehrsmittel und gehen mehr zu Fuß. Jene, die sich auf stationsbasierte Systeme verlassen, fahren in der Folge häufiger mit Öffis und dem Fahrrad. Auch sie gehen mehr zu Fuß.

Laut VCÖ ist Carsharing nicht nur ein Phänomen in der Stadt, sondern bringt auch für ländliche Regionen viele Vorteile. Hier brauche es aber auch mehr Angebote wie Gemeindebusse und Anrufsammeltaxis, forderte der Club. (APA, TT.com)


Kommentieren


Schlagworte