Affäre Schrott: Auch Bob-WM jetzt im Fokus

Im Rahmen der Bob-WM 2016 erhielt Dominik Schrotts spätere Wahlkampfagentur Aufträge über 322.000 Euro. NR Schrott (VP) war bis April 2015 Hauptverantwortlicher für die WM.

Ernste Miene, aber: Kanzler Sebastian Kurz (r.) sei mit seinen notwendigen Schritten zur Klärung einverstanden gewesen, betont Schrott.
© Michael Kristen

Innsbruck — Wegen der gegen ihn „geführten Hetzkampagne" will sich der unter Beschuss geratene VP-Nationalrat Dominik Schrott nicht mehr äußern, teilte er am Donnerstag seinen Freunden und Unterstützern mit. „Ich persönlich hatte keinerlei Kenntnis, dass es sich bei dem für mich im Wahlkampf organisierten Gewinnspiel um ein Fake gehandelt haben soll." Er habe sämtliche geschäftlichen Beziehungen mit der Agentur „Smart Ventures" (Thomas Ziegler) und das aufrechte Dienstverhältnis mit seinem parlamentarischen Mitarbeiter, der Geschäftsführer seiner Wahlkampfagentur war, unverzüglich beendet. „Weiters wird die Staatsanwaltschaft Innsbruck Ermittlungen führen und die Vorgehensweise der Agentur prüfen", meinte Schrott und verwies darauf, dass das alles mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP) abgesprochen sei.

Die Verbindungen zur PR-Agentur, wo Schrott bis Ende Oktober 2017 selbst beschäftigt war, werfen jetzt aber auch in einem anderen Zusammenhang Fragen auf. Denn Smart Ventures erhielt für die Bewerbung und Betreuung der Bob-WM 2016 in Innsbruck-Igls Werbeaufträge über 322.000 Euro. Thomas Ziegler stieß 2015 zur Agentur und wurde im Jänner 2016 Geschäftsführer. Hauptverantwortlicher für die Bob- und Skeletonweltmeisterschaften war bis Juli 2015 Dominik Schrott. Die ehemalige Präsidentin des Bobverbands und enge Vertraute von Schrott und Ziegler aus gemeinsamen Zeiten beim ÖVP-Arbeitnehmerbund AAB, Astrid Stadler, holte den VP-Nationalrat im Oktober 2014 zum Verband. Schrott stieg später sogar kurzzeitig zum Generalsekretär des Bobverbands auf.

"Wenn kein Rücktritt, dann Ausschluss"

Nach einem großen Krach verließen Schrott und Stadler im Frühjahr 2015 das Bob­lager. In die Zeit Schrott/Stadler fielen allerdings die Werbeaufträge an Smart Ventures. Ziegler betonte, er sei damals noch gar nicht bei der Agentur gewesen. Stadler konnte sich nicht daran erinnern. „Außerdem schreibt ihr ohnehin, was ihr wollt." Interessant: Nach seinem Abgang beim Bobverband dockte Dominik Schrott just bei Smart Ventures an: der Werbeagentur für die Bob-WM.

Die von den NEOS geforderte Offenlegung von Schrotts Wahlkampfkosten sorgt indes ÖVP-intern für Spekulationen. Insider gehen von rund 80.000 Euro aus. SPÖ-Vize Georg Dornauer forderte einmal mehr Konsequenzen. „Die ÖVP muss diese Geschichte jetzt beenden, sie schadet dem Ansehen der Politik allgemein und insbesondere uns jungen Abgeordneten." LH Günther Platter muss laut Dorn­auer unmissverständlich klarstellen, dass diese Praktiken keinen Platz in seiner Partei haben. „Wenn Schrott nicht zurücktritt, muss er aus der Volkspartei ausgeschlossen werden." (pn)


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