ÖBB brauchen Realisierungsvertrag in Jenbach

Die jüngst ins Spiel gebrachte Südvariante fürs Jenbacher Parkhaus ist kaum realisierbar. Das Ziel der ÖBB ist ein Baubeginn nördlich des Bahnhofs im Herbst 2019. Die Kosten liegen bei mehr als 11 Mio. Euro.

© Zwicknagl

Von Walter Zwicknagl

Jenbach –Kopfschütteln gab es nach der Gemeinderatssitzung in Jenbach, in der von einigen Gemeinderäten plötzlich wieder die Südvariante des Parkhauses favorisiert wurde, bei BM Dietmar Wallner und seinem Vize Bernhard Stöhr (beide ÖVP). „Diese Variante und die Situierung eines Parkhauses in Zillertalbahn-Nähe sind längst vom Tisch“, bestätigt das Duo. „Wir sind intensiv an den Vorbereitungsarbeiten für die eisenbahnrechtliche Genehmigung – und zwar für die Nordvariante“, bestätigt Martin Gradnitzer von der ÖBB Infrastruktur. „Was wir brauchen, ist endlich ein Realisierungsvertrag“, unterstreicht der Experte.

Als „Schnee von gestern“ bezeichnen Wallner und Stöhr die Südvariante. „Die würde 15 Meter hoch ausfallen. Das würde die Zufahrtsstraße zur Autobahn überragen, weil dieses Projekt fünf Geschoße hätte. Zudem bliebe nur noch eine fünf Meter breite Straße zum Bahnhof“, reagieren sie auf diese Variante. Erst kürzlich wurde den Bürgermeistern die Variante Nord präsentiert. Schließlich zahlen an dem Projekt 34 Gemeinden aus den Bezirken Schwaz und Kufstein mit. „Und die wollen alle, dass es flott weitergeht“, sagt BM Wallner. Klar sei, dass vom benachbarten Toleranz-Areal 1400 m² Grund benötigt werden. „Und da bin ich nicht glücklich darüber, wenn das immer in unmittelbaren Zusammenhang mit der Baulandwidmung von rund 20.000 m², die derzeit eine grüne Wiese sind und im September gewidmet werden sollen, gebracht wird“, ärgert sich Wallner. Sicher sei auf diesem Areal ein Wirtschafts-Mix möglich. „Aber das wird dauern“, meint Wallner, der auch die nötigen infrastrukturellen Maßnahmen im Ort gegeben sieht.

„Ich sage ja gar nicht, dass das eine vom anderen unabhängig ist. Wir stellen uns vor, dass über die innere Erschließung des Areals Fußgänger und Radfahrer das Gelände queren können und sich langfristig den weiten Umweg über die Bahnhofstraße ersparen. Wir reden von einem Bebauungskonzept für die nächsten 20 Jahre“, sagt Wallner. Interessant ist für ihn, dass alle Beschlüsse in Sachen Parkhaus seit Jahren von der SPÖ mitgetragen wurden, auch noch heuer im März, jetzt aber eine Kehrtwendung erfolge – die TT berichtete. Die letzte Grundsatzerklärung über Erschließung und Ausgestaltung des Vorplatzes, datiert vom 27. März 2018, wurde von VBM Stöhr bis ins Detail erklärt und auch einstimmig angenommen.

„Da hat wohl schon der Wahlkampf fürs Jahr 2022 angefangen“, meint der Gemeindechef. Wenn von einer Bevölkerungsexplosion die Rede sei, stimme das einfach nicht. Von Jänner 2015 bis zum Jänner 2018 habe die Bevölkerung von 6982 Personen auf 7150 zugenommen. Die Hochrechnung für sechs Jahre gehe von einem Plus von 340 Personen aus. Noch im Jahr 2016 hatte es in einem GR-Protokoll geheißen, dass „eine möglichst großräumige Siedlungsentwicklung in diesem Gebiet mitberücksichtigt werden könne“. Das damalige Abstimmungsergebnis: 19 Pro-Stimmen, keine Gegenstimme.

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Die ersten Gespräche in Sachen Parkhaus habe es mit VVT und ÖBB bereits im Jahr 2013 gegeben. Damals war von einer Planungsvereinbarung die Rede. „Mittlerweile haben wir schon viel Geld in dieses Projekt investiert“, meint Wallner. Mit einer neuen Variante bliebe die Marktgemeinde alleine auf den Kosten sitzen. Jeder Planungsschritt sei vom Gemeinderat abgesegnet gewesen. Das angepeilte Parkhaus soll 450 Stellplätze und 150 Fahrradstellplätze sowie Platz für Mopeds am Vorplatz bringen. 115 Meter lang, 32 Meter breit und gut 10 Meter hoch soll der Komplex sein. Die Kosten werden mit 11,24 Millionen Euro beziffert.

„Wenn aber die Grundabtretung mit der Baulandwidmung verbunden ist, sind wir dagegen und wollen die Variante Süd“, sagt Gemeindevorstand Daniela Heiss (SP).


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