Verdacht auf Wolfrisse auf Alm im Bregenzerwald

Drei tote Schafe wurden vom Landwirt aufgefunden – das Schadbild lege den Verdacht nahe, dass ein Wolf sie gerissen hat. Ein Maßnahmenplan des Landes Vorarlberg liegt bereit.

(Symbolfoto)
© iStockphoto

Bregenz – In Vorarlberg gibt es Hinweise, dass ein Wolf mehrere Schafe gerissen hat. Das Schadbild, das bei drei tot aufgefundenen Schafen festgestellt wurde, lege diesen Verdacht nahe, so Vorarlbergs Landeswildbiologe Hubert Schatz am Donnerstag in einer Aussendung. Den endgültigen Beweis soll nun die Auswertung von DNA-Spuren erbringen. Das Land Vorarlberg erklärte, ein Maßnahmenplan liege bereit.

DNA-Test müsse endgültigen Beweis liefern

Die nun toten Nutztiere weideten auf einer Alm im vorderen Bregenzerwald. Sie wurden in der Nacht von 22. auf 23. August gerissen. Er gehe derzeit davon aus, dass es sich um einen einzelnen Wolf handle. Wie immer in solchen Fälle müsse ein DNA-Test den endgültigen Nachweis liefern, so Wildbiologe Schatz. Proben an den Kadavern wurden gezogen und werden nun im Labor untersucht. Auf das Ergebnis müsse man einige Wochen warten.

„Wir sind jedenfalls vorbereitet, ein Maßnahmenplan für das weitere Vorgehen ist bereits ausgearbeitet“, so Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner. Ziel sei es nun vorrangig, weiteren Schaden zu verhindern. Die benachbarten Almen seien von der zuständigen Fachabteilung des Landes informiert worden. Sie wurden ersucht, ihr Vieh genau zu beobachten und in der Nacht an gesicherten Plätzen unterzubringen. Zudem wurden der Bezirksjägermeister und die Hegeobleute sowie die Jäger des Gebiets informiert und gebeten, allfällige Beobachtungen an den Wildbiologen weiterzuleiten. Eine generelle Gefahr für die Almwirtschaft sah Schatz nicht. Es bedeute aber einen Mehraufwand für die Alpwirtschaft, wenn man das Vieh besser überwachen müsse.

Maßnahmenplan sieht Überwachung vor

Das Land Vorarlberg werde den betroffenen Landwirt entschädigen. „Selbstverständlich wird das Land für die Tiere Entschädigung leisten, auch wenn ich weiß, dass für Tierhalter und Züchter ein verlorenes Tier mehr bedeutet, als der reine materielle Wert“, so Landesrat Gantner. Im Maßnahmenplan gehe es zunächst einmal um Überwachung der Aktivitäten des Tieres, so Schatz. Je nach weiterer Entwicklung werde man sehen, ob vorübergehende Schutzmaßnahmen, etwa Zäune, ausreichten. „Die Entwicklung seines Verhaltens abzuschätzen, ist da sehr schwer“, so Schatz, der weitere Risse für möglich hielt. Zunächst müsse man erst einmal wissen, ob es sich überhaupt um einen Wolf handle.

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Zuletzt hatte ein Wolf in Vorarlberg 2015 für Aufsehen gesorgt. Ende Juli im Sonnenkopfgebiet (Bezirk Bludenz) gerissene Schafe wurden damals eindeutig von einem Wolf getötet. Wolfsichtungen gab es auch im Herbst im Arlberg-Gebiet bzw. hinteren Bregenzerwald. Zuvor hatte 2014 ein Vorarlberger Pensionist im Großraum Nenzing (Bezirk Bludenz) im April ein etwa ein- bis zweijähriges Tier gesichtet und fotografiert. Damals soll es sich um einen Wolf aus dem Calanda-Massiv aus Graubünden gehandelt haben. Der Wolf wurde in Vorarlberg an und für sich im 19. Jahrhundert ausgerottet.

Zuletzt Wolfsrisse im Oberallgäu

Kürzlich wurden zudem Wolfsrisse im nahe gelegenen Oberallgäu bekannt. Im Juli und August wurden dort fünf Kälber von einem Wolf oder mehreren Tieren getötet. Dass ein Zusammenhang mit den Rissen in Vorarlberg bestehe, hielt Wildbiologe Schatz für „durchaus möglich“. Mittlerweile wanderten nicht nur Wölfe aus der sogenannten Südpopulation zu, also aus der Schweiz und Italien, auch die Wolfspopulation in Deutschland wachse. Wölfe legten auf ihren Wanderungen bis zu 70 Kilometer täglich zurück. (APA)


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