Neues Voting-Tool: Zuschauer können nach Vorstellung Noten verteilen

Salzburg (APA) - Wer hat eigentlich die Zuschauer gefragt? - Das dachte sich Wolfgang Vogl, Opernliebhaber, Festspielfreund und Ingenieur. D...

Salzburg (APA) - Wer hat eigentlich die Zuschauer gefragt? - Das dachte sich Wolfgang Vogl, Opernliebhaber, Festspielfreund und Ingenieur. Die Antwort gab er sich selbst: „Ich!“ Auf Basis der Idee, neben den Kritikern auch einmal das Publikum nach seiner Meinung zu fragen, entwickelte Vogl mit „CCS Voting“ die Möglichkeit, Vorstellungen online nach verschiedenen Kriterien zu bewerten.

„Der Zuschauer hat eigentlich keine Stimme. Er kann sich nur mit Klatschen oder Buhen ausdrücken. Es gibt dabei aber auch keine Möglichkeit zu differenzieren. Ärger über die Regie kann er sowieso nur bei der Premiere bekunden, denn meistens sind die Regisseure bei den Folgeveranstaltungen nicht mehr anwesend“, so der Gründer im Gespräch mit der APA.

In der Praxis sieht es so aus: Ein bis zwei Touchscreens stehen vor, während oder nach der Veranstaltung zur Verfügung und auch zu einem späteren Zeitpunkt kann noch online über die Vorstellung abgestimmt werden, hierfür reicht ein Besuch der Website ccs-voting.com. Darüber können die Teilnehmer ihre Bewertungen in verschiedenen Kategorien abgeben. Als Beispiel sei die aktuelle „Zauberflöten“-Produktion bei den Salzburger Festspielen gewählt. Diese wurde von den Kritikern überwiegend zerrissen. Beim CCS Voting konnten die Besucher in den Kategorien Gesamteindruck, Inszenierung und Darsteller abstimmen. Bisher nahmen 65 Leute teil, wovon 17 die Inszenierung mit „schlecht“ bewerteten, immerhin 14 aber mit „hervorragend“ und zehn mit einem „Sehr gut“.

„Kritiker sind meistens Fachleute und haben dadurch auch einen anderen Blick auf die Aufführungen. Das Voting soll kein Angriff auf die Kritiker sein, aber warum kommt niemand auf die Idee, das Publikum mitreden zu lassen, für das die Produktionen doch gemacht werden?“, so Vogl. Für die Veranstalter sieht er sogar eine Chance darin, die Spielpläne zu optimieren, mehr über die Zielgruppe zu erfahren und dadurch leichter neues Publikum zu gewinnen.

Momentan hat der Salzburger noch keine Sponsoren, trägt allen Aufwand privat, denkt aber schon an internationale Erweiterungen des Projekts. „Ich bin selbst seit vielen Jahren Mitglied bei den Freunden der Salzburger Festspiele. Ich habe den Festspielen das Voting auch angeboten, doch gerade die Förderer wollten ihre Mitglieder nicht dazu auffordern, die Künstler zu bewerten“, erzählte Vogl von den Anfängen.

Feedback von anderen Häusern gibt es momentan auch noch nicht, aber dafür umso mehr von den Nutzern. „Ich bin selbst bei vielen Premieren und komme mit den Leuten in Kontakt, die die Touchscreens nutzen“, berichtete Vogl von seinen Erfahrungen mit den Nutzern. Von diesen ginge ein enormer Zuspruch aus. Derzeit können noch alle szenischen Produktionen der Salzburger Festspiele bewertet werden, wenn es nach Wolfgang Vogl geht aber schon bald Opern und Theater auf der ganzen Welt.

(S E R V I C E - www.ccs-voting.com )


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