Vor 30 Jahren starben bei Flugkatastrophe von Ramstein 70 Menschen

Frankfurt am Main (APA/AFP) - Es sind Sekunden, die alles verändern: Genau um 15.44 Uhr kollidieren bei einer Flugschau auf dem US-Luftwaffe...

Frankfurt am Main (APA/AFP) - Es sind Sekunden, die alles verändern: Genau um 15.44 Uhr kollidieren bei einer Flugschau auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in der Pfalz drei italienische Militärjets, einer stürzt in die Menschenmenge. Die Bilder des Feuerballs und der in Panik herumlaufenden Menschen sind noch heute unvergessen. Am Dienstag jährt sich das Unglück zum 30. Mal.

„Der 28. August 1988 hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Rheinland-Pfälzer eingegraben“, sagt Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) drei Jahrzehnte später bei einer Gedenkstunde im Mainzer Landtag. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) versichert: „Wir werden Ramstein nicht vergessen.“

Es ist das letzte Flugmanöver, das den 300.000 Besuchern bei strahlend blauem Himmel in Ramstein präsentiert werden soll - das „durchstoßene Herz“ der italienischen Militärstaffel „Frecce Tricolori“. Und es endet in einer Katastrophe. 70 Menschen kommen ums Leben, mehr als tausend Menschen werden verletzt.

Nach dem Absturz bricht Panik aus, niemand war vorbereitet auf eine solche Katastrophe. Deutsche Notärzte versuchen, die Opfer am Unglücksort zu stabilisieren. Die Amerikaner bringen sie dagegen direkt in überfüllte Krankenhäuser. Die Infusionssysteme von Deutschen und Amerikanern passen nicht zusammen.

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Doch die Katastrophe bleibt nicht folgenlos. In Ramstein gibt es seither keinen Flugtag mehr. Flugschauen dieser Art und Größenordnung gehören in Deutschland der Vergangenheit an.

Eine Konsequenz auch aus Ramstein sei, dass heute bei jeder Großveranstaltung ein umfassendes Sicherheits- und Rettungskonzept vorgelegt werden müsse, erinnert der Mainzer Landtagspräsident Hering. Auch psychologische Hilfe wird anders als früher angeboten. Die Notfallseelsorge bei schweren Unglücken hat sich fest etabliert.

Die Opfer von Ramstein müssen nach der Katastrophe noch mit vielen Widrigkeiten und Rückschlägen umgehen. Noch 2003 weist etwa das Landgericht Koblenz Entschädigungsklagen wegen Verjährung ab. Es habe schier unüberwindbare bürokratische Hürden gegeben, beklagt Hering heute. Ihm sei es ein Anliegen, alle Betroffenen „um Vergebung dafür zu bitten, wie die Politik mit der Verantwortlichkeit für dieses schreckliche Ereignis umgegangen ist“.

Dennoch will etwa Marc Jung, der das Unglück als Vierjähriger mit schweren Verbrennungen überlebte, heute Mut machen. Es sei auch nicht im Interesse der Verstorbenen, dass die Angehörigen ewig trauerten, sagt er bei der Gedenkstunde im Mainzer Landtag. Er wolle ermuntern, „nach vorn zu blicken“. Am Dienstag - dem 30. Jahrestag der Katastrophe - wird aber sicher auch er zurückblicken auf jenen Tag, der in Sekunden alles änderte.


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