Landesrätin Palfrader verlässt ihren Heimatbezirk Kitzbühel

In der ÖVP im Bezirk Kitzbühel ist es Tagesgespräch. Der Bezirk verliert seine Landesrätin, die ihren Hauptwohnsitz nach Innsbruck verlegt. Palfrader beruhigt.

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Kitzbühel, Innsbruck – Ein Regierungsmitglied aus dem Bezirk, das ist schon etwas. Vor allem in der ÖVP gilt die regionale Gewichtung stets als zentrale Frage bei der Besetzung der Landtagsfraktion und der Regierung. Unabhängig davon, dass die Landesräte die meiste Zeit allerdings außerhalb ihres Heimatbezirks verbringen. 2008 holte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) die damalige Direktorin der Tourismusschul­e in St. Johann, Beate Palfrade­r, als Bildungs- und Kulturlandesrätin in sein Kabinett. Bis 2014 war sie auch Bezirks- parteiobfrau. Nachdem Palfrader an die Spitze des Tiroler ÖVP-Arbeitnehmerbundes AAB gehievt wurde, musste sie die Funktion im Bezirk Kitzbühel abgeben.

Obwohl hauptsächlich in Innsbruck tätig, übertünchte die Landesrätin danach die vielen internen Querelen in ihrer politischen Heimatregion. AAB, Bauern- und Wirtschaftsbund ergeben im Bezirk Kitzbühel eine schwierige politische Gemengelage mit wechselnden Bündnissen. Mitunter gab es auch Kritik an Palfrader selbst, zumal sich das Privatleben der Landesrätin zusehends ins Außerfern verlagerte. Ihr langjähriger Lebensgefährte Heiner Ginther ist schließlich Bürgermeister in Elmen.

Trotzdem: Palfrader bezeichnete sich immer als Vertreterin des Bezirkes Kitzbühel. „Damit ich weiterhin die starke Stimme für den Bezirk Kitzbühel sein kann, bitte ich euch um eure Vorzugsstimme“, warb sie etwa vor der Landtagswahl im Februar 2018 als regionale Spitzenkandidatin. 4775 Kitzbüheler schenkten ihr schließlich das persönliche Vertrauen.

Obwohl auf ihrer Homepage nach wie vor als Wohnort Hopfgarten im Brixental angeführt wird, hat sie am 1. August ihren Hauptwohnsitz verlegt. „Aber nicht nach Elmen, sondern nach Innsbruck“, wie Palfrader gegenüber der TT bestätigt. Es habe praktische Gründe, schließlich sei das Pendeln nach Hopfgarten nur zum „Schlafen“ nicht mehr sinnvoll. „Aber: Natürlich bleibe ich weiterhin das Sprachrohr des Bezirks.“ Daran könne der Wohnsitz in Innsbruck nichts ändern.

Bisher hatte die Landesrätin als Hauptwohnsitz eine 51 Quadratmeter große Wohnung in Hopfgarten im Brixental. 2013 hat sie die Unterkunft von der „Pletzer Anton Leasing u. Verwaltungs GmbH Co Kg.“ um 160.000 Euro erworben. Die Wohnung befindet sich auch in einem Gebäude der bekannten Unternehmer-Gruppe. Am 1. August 2018 wechselte die Kleinwohnung dann den Besitzer. Ein Unternehmer aus Stein­ach am Brenner erwarb Palfraders Wohnung um 205.000 Euro. Er muss sie selbst bewohnen oder als Hauptwohnsitz vermieten. Denn die Immobilie darf nicht als Freizeitwohnsitz verwendet werden.

Hinter vorgehaltener Hand wird parteiintern jedoch schon darüber gemurrt, dass östlich vom Bezirk Schwaz jetzt kein ÖVP-Vertreter mehr in der Landesregierung sitzt. Das bleibt auch Palf­rader nicht verborgen. Nicht nur deshalb überlegt sie sich, weiterhin eine Wohnung in Kitzbühel zu mieten. Sozusagen als Heimatbasis. Sollte die 60-Jährige 2023 noch einmal bei der Landtagswahl kandidieren, könnte sie aber nicht mehr Spitzenkandidatin des Bezirkes Kitzbühel sein. Außer sie verlegt ihren Hauptwohnsitz vor der Wahl wieder ins Unterland. (pn)


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