Astronomie-Kongress: Webb-Teleskop sucht Licht der ersten Sterne

Wien (APA) - Das neue James-Webb-Weltraumteleskop wird die ersten Lichtstrahlen einfangen, die je im Universum von den ursprünglichsten Ster...

Wien (APA) - Das neue James-Webb-Weltraumteleskop wird die ersten Lichtstrahlen einfangen, die je im Universum von den ursprünglichsten Sternen und Galaxien ausgesendet wurden, sagte der leitende Wissenschafter der Mission, Eric Smith, Donnerstagabend in Wien. In der langen Entwicklungszeit habe sich eine zweite Aufgabe herauskristallisiert: Bei fremden Planeten festzustellen, ob sie Leben beherbergen können.

Sein Vorgänger, das Hubble-Weltraumteleskop, sei leider blind für jenes erste Licht, weil es im Infrarot-Bereich liege, erklärte der Astrophysiker vom James-Webb-Teleskop Programm der US-Weltraumorganisation NASA, der anlässlich der derzeit stattfindenden Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Wien ist. Weil sich das Universum seit dem Urknall beständig ausdehnt, werden auch die alten Lichtwellen in die Länge gezogen und sind nicht mehr im sichtbaren Bereich zu finden, sondern zu Infrarot-Strahlen mutiert. Das James-Webb-Teleskop sei dazu optimiert, sie mit einem riesigen Spiegel aufzunehmen und zu analysieren.

Der 25 Quadratmeter große Spiegel hat eine hauchdünne, nur 1.000 Atome starke, sehr glatte Goldoberfläche. Würde man den Spiegel auf die Ausmaße der USA vergrößern, wäre die höchste Erhebung ein „Berg“ von nur fünf Zentimetern. Die gesamte Goldmenge, die man auf den Detektor-Spiegel verteilte, hat in etwa die Masse eines Golfballs, so Smith. In die Entwicklung des Teleskops waren auch österreichische Wissenschafter involviert und Hardware aus Österreich wurde verbaut, sagte er. Neben der NASA sind auch die Europäische Weltraumorganisation (ESA) und die Kanadische Weltraumorganisation (CSA) daran beteiligt.

Um das Instrument vor der Infrarotstrahlung von der Sonne, Erde und dem Mond zu schützen, wird es an einen speziellen Ort im Weltall (Lagrange Punkt L2) gebracht, der etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist, das ist vier Mal so weit wie der Mond. Dort befinden sich diese drei Objekte trotz ihrer Rotationen umeinander stets im „Rücken“ des Instruments, und ihre Wärmestrahlen können mit einem riesigen Schild mit extrem hohen Sonnenschutzfaktor abgeschirmt werden. Das Weltraumteleskop kann dort also ungestört das erste Licht des Weltalls aufspüren und die Wissenschafter können daran erforschen, wie die ersten Galaxien entstanden sind und sich in ihre heutige Form entwickelten.

„Es wird auch dazu genutzt werden, Planeten außerhalb unseres Sonnensystems zu erforschen, obwohl es ursprünglich dazu gar nicht gedacht war“, sagte Smith. Als man das Webb-Teleskop in den 1990er-Jahren konzipierte, war von diesen „Exoplaneten“ noch kaum die Rede. Mittlerweile findet man einen um den anderen in fremden Sonnensystemen und will wissen, ob auf ihnen Leben möglich wäre. Mit dem Weltraumteleskop könne man die Zusammensetzung ihrer Atmosphären ermitteln und dies somit klären, sagte der Wissenschafter.

Es gäbe aber auch eine weitere, viel näher liegende Anwendung für das Webb-Teleskop, meinte er. Seine Instrumente könnten für Planeten des Sonnensystems wie Mars und Jupiter sowie dessen Trabanten das „globale“ Wetter bestimmen. Dies sei zum Beispiel mit Weltraumsonden nicht möglich.

Der Start ist nunmehr im Jahr 2021 angesetzt, ursprünglich war er für 2014 geplant. Er wurde immer wieder verschoben, zunächst war die Finanzierung unsicher, dann tauchten verschiedene technische Probleme auf, und menschliche Fehler sorgten für weitere Verzögerungen. „Wir hatten bei den Tests auch immer wieder mit lokalen Widrigkeiten zu kämpfen, wie einem Hurrikan und Schneestürmen“, berichtete Smith.

Die optimale Funktion im Weltall wurde mittlerweile ausreichend geprüft, nun gehe es darum, sicherzustellen, dass das Weltraumteleskop den Transport gut übersteht, sagte der NASA-Wissenschafter. Es muss nun in Tests beweisen, dass ihm zum Beispiel Vibrationen und Hitze nichts ausmachen, die in einer „Ariane-5“ in der Startphase auftreten. Mit solch einer Rakete der ESA soll es vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana ins All gebracht werden.

(SERVICE - Internet: https://www.jwst.nasa.gov/)


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