Mils will auch künftig ein Dorf bleiben

Ein eigener „Ausschuss zur Bewahrung des Dorfcharakters“ soll für den Wert alter Bausubstanz sensibilisieren. Dazu setzt man schon bei den Kindern an.

Das „Schallerhaus“, ein baufällig gewordener Bauernhof, wurde für das Gemeindeamt revitalisiert.
© Gemeinde Mils

Von Michael Domanig

Mils –„Im Gegensatz zu vielen anderen Orten haben wir in Mils noch einen intakten Dorfcharakter mit schönen Ensembles“, meint BM Peter Hanser. Als Beispiel nennt er „zehn bis 15 liebevoll sanierte alte Gebäude“ im Unter- und Oberdorf. Und für Hanser ist klar: „Wir wollen ein Dorf bleiben.“ Ein Gespräch mit seinem Bürgermeisterkollegen Christian Abenthung aus Axams – der gemeint habe, dass der dörfliche Charakter dort verloren zu gehen drohe – „hat mir hier zu denken gegeben“, erzählt Hanser.

Nun folgt ein ungewöhnlicher Schritt: In seiner letzten Sitzung beschloss der Gemeinderat einstimmig die Gründung eines neuen, temporären „Ausschusses zur Bewahrung des Dorfcharakters“. Ein Mitglied aus jeder der sechs Gemeinderatsfraktionen ist darin vertreten, den Vorsitz übernimmt Bauausschuss-Obmann Stefan Unterberger. Zudem wurde ein externer Prozessbegleiter beauftragt. Das Land unterstützt das Projekt über die Abteilung Dorferneuerung.

Zentral sei die Bürgerbeteiligung (Ausstellungen, Wettbewerbe und mehr) – wobei man als Erstes bei den Kindern ansetzen wolle, so Hanser. „Wir wollen bewusst machen, was für schöne alte Gebäude und innerörtliche Plätze, aber auch Anger oder Streuobstwiesen wir in Mils noch haben.“

Die Expertin Monika Abendstein von der Kunst- und Architekturschule „bilding“ in Innsbruck wird mit den Kindern arbeiten: „Es geht im großen Stil um die Sensibilisierung für die gebaute Umwelt, in der ich wohne und lebe – und darum, wie ich diese eventuell selbst mitgestalten kann.“ Sie werde hier vor allem mit der Volksschule kooperieren, auch mit einer Jugendgruppe sei sie in Kontakt. „Wir wollen die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen aufnehmen und wieder in die Gemeindepolitik einspeisen“, meint Abendstein. „Schön, dass es ein längerfristiges Projekt ist – das bietet die Chance, viel Input für die künftige Gestaltung des Dorfkerns zu erhalten.“

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Hanser hofft, über die Kinder auch die Erwachsenen zu erreichen. Ziel sei, speziell bei Hauseigentümern Sensibilität für die Bedeutung alter Bausubstanz zu wecken. „Vielleicht überlegen sie sich dann, ob sie diese doch erhalten wollen, statt abzureißen. Wir wollen mit ihnen auch über Möglichkeiten der Unterstützung bzw. Förderungen reden.“

„Mit jedem Abriss geht auch Geschichte, gehen Erinnerungen verloren“, sagt Abendstein. Also gelte es, die Augen „für den Wert ortsprägender, charakteristischer Bauwerke“ zu wecken. Aus ihrer Sicht könnte das Milser Projekt ein Prototyp werden: „Das Problem, dass immer weniger Bezug zum eigenen Dorf besteht, gibt es in vielen Gemeinden.“


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