Bischof: Lage für Christen in Indien weiter angespannt

Wien (APA) - Zehn Jahre nach der Gewaltwelle im indischen Bundesstaat Odisha (Orissa) sind die Christen auf dem Subkontinent weiterhin in Be...

Wien (APA) - Zehn Jahre nach der Gewaltwelle im indischen Bundesstaat Odisha (Orissa) sind die Christen auf dem Subkontinent weiterhin in Bedrängnis. Das erklärte der katholische Bischof der westbengalischen Diözese Baruipur, Salvadore Lobo, im Interview mit der Nachrichtenagentur „Kathpress“ im Vorfeld des Jahrestages der damaligen Ausschreitungen am 25. August.

Von den regierenden Hindu-Nationalisten gutgeheißen, gebe es ständig Einschüchterungen und Gewaltakte sowie Verbalangriffe gegen Kirchenvertreter, sagte Lobo bei einem Besuch in Wien. „Man will uns mundtot machen und eine Herrschaft des Mobs - eine ‚Mobokratie‘ - errichten“, so der langjährige Kooperationspartner mehrerer kirchlicher Hilfswerke aus Österreich.

Im Vorfeld der Wahlen 2019 werde in Indien auch die Redefreiheit von Christen beschnitten wie nie zuvor seit Amtsantritt von Ministerpräsident Narendra Modi, berichtete Bischof Lobo. In Indien herrsche eine „turbulente politische Atmosphäre, in der die demokratischen Prinzipien der Verfassung und der säkulare Staat bedroht sind“, schrieb Erzbischof Couto an die Katholiken seiner Diözese - und wurde für dafür von der hindu-nationalistischen Regierungspartei BJP scharf attackiert.

„In pro-hinduistischen Medien und Sozialen Netzwerken hieß es, Couto sei gegen die Regierung, die Christen wollten das Land spalten und hinter allem stehe der Vatikan, da auch römische Websites über den Brief berichtet hatten.“ Forderungen machten die Runde, ganz Indien möge gegen die Christen aufstehen und die Diplomatie zum Vatikan abbrechen.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die Methoden der Hindu-Nationalisten gegen Andersgläubige beschränken sich laut dem Bischof nicht nur auf Falschdarstellungen in den Medien, Anschuldigungen eines „Gläubigen-Kaufes“ oder die „überkritische“ Beobachtung christlicher Einrichtungen: Gegen die religiösen Minderheiten würden in mehreren Bundesstaaten Anschläge verübt.

Die ökumenische Dokumentationsstelle „Persecution Relief“ verzeichnete 2017 landesweit bereits 736 Angriffe gegen Christen, mehr als doppelt so viele wie die 348 im Jahr davor. Auch der Vandalismus gegen Kirchen, Statuen und Kreuzen nehme stark zu. Nicht minder brutal sei das Vorgehen gegen Muslime: „Immer wieder werden in Indien Menschen gelyncht aufgrund des Verdachts, Rinder geschlachtet zu haben“, so Lobo.


Kommentieren