Schneefall lässt Tirols Almbauern zittern

Futtermangel und kaum Trinkwasser ließen mindestens 60 Tiroler Bauern Tiere bereits ins Tal bringen. Wintereinbruch könnte Situation zuspitzen.

(Symbolfoto)
© Thomas Wieland

Innsbruck –Das Wetter macht es Tirols Almbauern heuer wirklich nicht leicht. Erst, wie berichtet, die brütende Hitze und kaum Regen, und jetzt das: Temperatursturz, die Schneefallgrenze sinkt auf unter 1700 Meter. Das könnte zu Problemen führen. Mindestens 60 Bauern mussten ihre Tiere wegen Futter- und Trinkwassermangels bereits frühzeitig ins Tal bringen.

Josef Lanzinger, Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins, beruhigt: „So schlimm ist es nicht. Die 60 Bauern, welche ihre Tiere früher als sonst abgetrieben haben, muss man immer in Relatio­n mit den über 1000 in Tirol bewirtschafteten Almen sehen.“ Aber natürlich habe das Wetter den Bauern heuer ein Schnippchen geschlagen, sagt er. „Wenn jetzt wirklich Schnee fällt, dann kann ich mir vorstellen, dass auch weitere Almbauern eher als sonst heimfahren“, sagt Lanzinger.

Dabei sei weniger die Kälte das Problem. „Eine Kuh hält die tiefen Temperaturen aus. Dafür hat sie ja eine Fettschicht. Die Frage ist, wie viel Schnee fällt und wie lang dieser liegen bleibt“, weiß der Obmann der Almbauern. Denn wenn die Wiesen mehr als einen Tag mit Schnee bedeckt seien, können die Tiere nicht mehr an das lebensnotwendige Futter gelangen.

Während jetzt also die Temperaturen sinken, ab einer gewissen Höhe gar Schnee möglich ist, war der heurige Sommer in Tirol bisher außergewöhnlich heiß und trocken. Das zeigt auch ein­e gestern vom Wetterdienst Ubimet veröffentlichte Aufstellung über die trockensten Gemeinden Österreichs. So gut wie überall habe es 2018 deutlich weniger nasse Tage als noch im Jahr 2017 gegeben, „was angesichts der extremen Trockenperiode im späten Frühjahr und Sommer nicht verwunderlich ist“, heißt es in einer Aussendung.

Während es bundesweit im nördlichen Niederösterreich am seltesten geregnet hat (in Drosendorf, Bezirk Horn, gab es nur 12 Tage mit mehr als fünf Millimetern Regen bzw. Schnee seit Jahresbeginn), ist Nauders (20 Tage mit mehr als fünf Millimetern Regen bzw. Schnee) Tirols trockenst­e Gemeinde. Gefolgt von Pfunds (21 Tage mit mehr als fünf Millimetern) sowie Prutz, Tösens und Ried im Oberinntal (alle 24 Tage mit mehr als fünf Millimetern).

Schattwald ist hingegen jen­e Tiroler Gemeinde, in der es am häufigsten geregnet oder geschneit hat – es gab 61 Tagen, an denen mehr als fünf Millimeter Niederschlag verzeichnet wurde. Auf Platz zwei liegt Nesselwängle mit nur einem Regentag weniger. Die österreichweit feuchteste Region ist die Ramsau oberhalb von Schladming in der Steiermark. (bfk)


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