Neues Album von Blood Orange: Von heiter bis wolkig

Blood Orange legt mit seinem am Freitag erschienenen Album „Negro Swan“ sein bestes Werk vor.

Hinter Blood Orange verbirgt sich der Multiinstrumentalist und Sänger Devonté Hynes.Foto: Domino

Innsbruck –Friedlicher R’n’B, mal ein Lacher mitten rein, wild lärmende Bläser. So weit, so fröhlich. Dass bei Blood Orange die Fallhöhe dann aber enorm ist, wird bei genauem Hinhören klar. Besonders textlich, aber auch mit Hintergrundgeräuschen lässt der Londoner Devonté „Dev“ Hynes in 16 Songs eine Welt entstehen, in die man so gar nicht eintauchen möchte.

Wie schon im Vorgängeralbum „Freetown Sound“ von 2016 kommt auch beim neuen Album die Inspiration von aktuellen Ereignissen (der Opener „Orlando“ spielt auf die Ereignisse des Anschlags 2016 auf den queeren Club in der gleichnamigen Stadt an) und von eigenen Erfahrungen. Und diese sind vor allem rassistischer und schwulenfeindlicher Natur. Hynes verarbeitet beklemmende Gefühle, die er als schwarzer und sexuell nicht festgelegter Teenager im Londoner Stadtviertel Dagenham hatte. Er ist als Wahl-New-Yorker und über Kooperatione­n mit Kylie Minogue, Florence Welch oder Nelly Furtado bekannt und mutiges Sprachrohr für andere.

Sein inzwischen viertes Album „Negro Swan“, ein Mix aus funkigem R’n’B und jazzigem Trap, ist das gelungenste Werk – weniger kitschig als Vorgänger und sprühend vor Experiment. Der Hörer wird immer wieder überrascht, auch dank der Gastbeiträge. So etwa von einem Audioschnipsel der Transgender-Aktivistin Janet Mock (Song „Family“). Oder von einem verletztlichen P. Diddy (beim Track „Hope“), der einfach nur geliebt werden möchte. (bunt)

R’n’B Blood Orange. Negro Swan. Domino Records


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