TT-Café in Lienz holte Promis auf die Bühne

Gute Unterhaltung: Auf dem Hauptplatz genossen Gäste nicht nur ein Gratis-Frühstück, sondern auch spannende Interviews.

Großer Andrang gestern beim TT-Café am Hauptplatz in Lienz. Moderatorin Margit Bacher lud Gäste wie Pater Martin und Hans Mutschlechner zum Gespräch mit Mario Zenhäusern.
© Blassnig Christoph

Lienz –Es war der krönende Abschluss der Frühstückstour, die die Tiroler Tageszeitung jeden Sommer veranstaltet: das TT-Café in Lienz. Die Besucher nutzten das Angebot, gemütlich zu frühstücken, sich bei Hansaton über gutes Hören beraten zu lassen, beim Gewinnspiel mitzumachen oder mit dem Nachwuchs die Kinderecke zu besuchen.

TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern konnte eine illustre Gästerunde auf dem Podium begrüßen. Den Anfang machte die Politik mit der Lienzer SP-Bürgermeisterin LA Elisabeth Blanik und dem VP-Landtagsabgeordneten Hermann Kuenz. Blanik begründete, warum sie nach der Wahl nicht Landeshauptmann-Stellvertreterin werden wollte: „Wir hätten zu viele Abstriche machen müssen.“ Die Tiroler SPÖ-Chefin sieht die Abwanderung aus Osttirol innerhalb der nächsten zehn Jahre ins Gegenteil verkehrt. „Die Lebensqualität ist bei uns höher als anderswo.“ Für Kuenz liegen die Stärken der Osttiroler in Fleiß und Leidensfähigkeit. „Uns weht nicht jeder Wind gleich um“, meint er.

Was den starken Verkehr im Lienzer Talboden betrifft, so halten beide Mandatare nichts von einer Umfahrung der Stadt. Blanik sieht die Lösung im öffentlichen Verkehr. Kuenz will beim Lkw-Transitverkehr ansetzen. Doch das Wichtigste ist für beide die Umfahrung von Sillian. Zurzeit führt die B100 mitten durch den Ort mit all seinen Engstellen.

Mit dem Thema Wirtschaft ging es weiter: Michaela Hysek-Unterweger, Geschäftsführerin der Unterweger Früchteküche, ist designierte Wirtschaftsbund-Obfrau in Osttirol und will eine Lobby für die Klein- und Mittelbetriebe aufbauen. „Im Bezirk gibt es viele solche Betriebe, sie sind Stützen der Wirtschaft“, meint Hysek-Unterweger. Der Aussage „Wer wirklich einen Job will, bekommt auch einen“ stimmt sie zu. „Es sind viele Stellen ausgeschrieben. Wir kennen mittlerweile schon Fachkräftemangel.“

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Holger König ist seit 2014 Geschäftsführer der Liebherr-Niederlassung in Lienz. Er hat in mehreren Ländern gearbeitet, unter anderem in Indien. „Als wir nach Lienz kamen, war es wie das Paradies: gute Luft, sauberes Wasser.“ Zum Thema Arbeitsmarkt meint König, dass der Aufschwung in Osttirol angekommen sei. Zurzeit sind 1450 Mitarbeiter bei Liebherr Lienz beschäftigt. Um neue Kräfte zu finden, suche man auch unter den „ausgewanderten“ Osttirolern. „Es gibt viele mit sehr guter Ausbildung“, so König. „Wir versuchen, sie mit passenden Angeboten zurückzuholen.“

Danach wurde der Vormittag sportlich. Der blinde Kletterer Andy Holzer und Vorzeige-Biathlet Ricco Groß stellten sich den Fragen von Mario Zenhäusern. „Zwei Weltstars auf der Bühne, das hat man selten“, freut sich der TT-Chef. Spontanen Applaus gab es für Andy Holzer, der die Dankbarkeit gegenüber seinen Eltern ausdrückte. „Meine Eltern haben mich auf den Weg geschickt. Sie kauften mir mit drei ein Paar Ski und mit fünf ein Fahrrad. Sie haben immer an mich geglaubt.“ Deshalb habe er den Gipfelsieg auf dem Mount Everest 2017 seinen und allen anderen Eltern gewidmet, die ihre Kinder ermutigen.

Ricco Groß, der als aktiver Sportler zahllose Medaillen errang, ist Trainer der österreichischen Biathlon-Herren. „In Obertilliach war ich schon unzählige Male, mit dem Nationalteam heuer schon dreimal.“ Das Biathlon-Dorf verbindet Groß mit einer anderen Sportgröße, die dort lebt: Ole Einar Björndalen. „Wir haben uns früher so manchen Fight geliefert“, erinnert sich Groß. Für die kommende Saison hofft der Nationaltrainer auf gute Leistungen seines Teams. Von Zenhäusern auf den erfolgreichen französischen Biathleten Simon Fourcade angesprochen, schmunzelt Groß: „Wir werden es ihm so schwer wie möglich machen.“

Musikalisch und humoristisch schloss das TT-Café in Lienz. Der Obmann des Kulturvereins „Ummi Gummi“, Hans Mutschlechner, ließ die Anfänge des Vereins vor 40 Jahren Revue passieren. „1978 gab es in Lienz nichts für junge Leute. Ein paar Langhaarige haben sich zusammengetan und um Anerkennung gekämpft.“ Mit Erfolg: Der Verein holte u. a. Santana, Sting, und Zucchero nach Osttirol. Auch das Straßentheaterfest „Olala“ gehört zu den Ummi-Gummi-Veranstaltungen. Doch solche Events würden immer schwieriger, meint Mutschlechner: „Es ist eine finanzielle Gratwanderung.“

Die Lacher auf seiner Seite hatte Franziskanerpater Martin Bichler. Gebürtig aus Untertilliach, verbrachte er etliche Jahre in Oberösterreich und leitet nun eine Lienzer Pfarre. Seine Anekdoten über untergegangene Klosterautos und seine Erlebnisse als Tiroler in einem oberösterreichischen Skigebiet amüsierten Groß und Klein.

Schließlich waren 2700 Tassen Testa-Rossa-Kaffee, 528 Flaschen Montes-Mineralwasser und 1120 Stück Gebäck aus der Hofer Backbox ausgegeben worden. Ein Testa-Rossa-Kaffeeautomat und ein 300-Euro-Gutschein für das dez hatten bei der Verlosung neue Besitzer gefunden. (co)


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