Reuttener auf diplomatischem Parkett in Tokio

Der Reuttener Thomas Hornstein hebt ab in ein Abenteuer. In der Millionenmetropole Tokio tritt er ein Praktikum an der österreichischen Botschaft an. Die Herausforderung ist groß, die Vorfreude noch größer.

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Von Simone Tschol

Reutte –Knapp drei Kalenderwochen, 9100 Kilometer und elf Stunden Flugzeit trennen den Reuttener Thomas Hornstein von seinem bislang größten Abenteuer – zumindest aus beruflicher Sicht. Der 33-Jährige wird nämlich am 17. September ein Praktikum an der österreichischen Botschaft in Tokio antreten.

Der Weg dahin war alles andere als vorgezeichnet. Nach der Matura begann Hornstein das Studium der Rechtswissenschaften. „2008 habe ich dann ein Jobangebot der Raiffeisenbank Reutte bekommen und dort acht Jahre lang als Kundenbetreuer gearbeitet, zwei Jahre in Reutte und anschließend in Bichlbach“, erzählt er und fügt hinzu: „Mit der Wirtschaftskrise schien aber auch mein Karriereweg bei der Bank beendet.“ Hornstein besann sich zurück und setzte seine universitäre Ausbildung im Rahmen eines Multimedialstudiums, vergleichbar mit einem Fernstudium, in Linz fort.

Da jedoch Wohnung und Leben finanziert sein wollen, begab er sich auf Jobsuche – zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, wie sich herausstellen sollte. „Ich habe 177 Bewerbungsabsagen bekommen. Also habe ich mir gedacht, da kann ich gleich ins Ausland gehen.“

Er meldete sich beim Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres. Dieses bietet immer wieder Auslandspraktika an. Doch auch hier folgten Absagen für letztlich elf Quartale.

Heuer im Juli dann überraschend die Zusage für ein Praktikum an der österreichischen Botschaft in Tokio – von 17. September bis 15. Dezember. „Die Vorbereitungszeit ist knapp. Zudem musste ich noch die Sicherheitsprüfung der österreichischen Behörden durchlaufen. Was sie da genau kontrolliert haben, weiß ich nicht. Das bleibt alles im Dunkeln. Mein Leben wurde vermutlich komplett durchleuchtet. Das ist irgendwie wie im Agentenfilm. Aber ich habe ja nichts zu verbergen“, lacht der Reuttener und dürfte Recht behalten, denn vor knapp drei Wochen erhielt er die endgültige Zusage.

Tokio ist für den 33-Jährigen kein unbekanntes Pflaster. „Ich war schon einmal im Rahmen eines Schüleraustausches dort“, erinnert er sich, wohl wissend, dass der anstehende Aufenthalt ganz neue Herausforderungen mit sich bringt: „Ich habe erst letztes Jahr angefangen, Japanisch zu lernen. Die Sprache an sich ist nicht so schwierig, aber es gibt keine Referenzsprache, aus der man irgendetwas herleiten könnte.“

Was ihn an seinem Arbeitsplatz genau erwartet, weiß Hornstein nicht. „Zum Teil wird es Büroarbeit sein, zum Teil öffentliche Arbeit. Auf jeden Fall ist Anzug erwünscht. Aber das ist ja auch ganz klar, schließlich repräsentiert man als Mitarbeiter dort ja den Staat Österreich.“ Konsularische Aufgaben wie die Betreuung österreichischer Staatsbürger in Japan, ob in Katastrophen- oder bei Todesfällen, das Ausstellen von Pässen, Visa und anderen amtlichen Dokumenten oder die Hilfe in strafrechtlich relevanten Angelegenheiten sind das eine. Hornstein: „Wichtig ist auch das Festigen und Ausbauen der Handelsbeziehungen zwischen Japan und Österreich. Aber da werde ich als Praktikant wohl weniger damit zu tun haben. Eventuell kann ich bei vertraglichen Abschlüssen dabei sein.“

Die diplomatische Schiene hatte Hornstein beruflich eigentlich nicht im Visier. Erst mit dem Studienschwerpunkt „internationales Recht“ wurde seine Leidenschaft für die globalen Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Politik und Recht geweckt.

Spannend wird aber nicht nur die Arbeit in der Botschaft selbst, sondern vor allem das Leben. Immerhin ist Tokio-Yokohama die größte Metropolregion der Welt. Auf einer Fläche von 13.556 Quadratkilometern leben knapp 38 Millionen Menschen. „Ich bin schon gespannt, wie ich in dem Großstadtdschungel zurechtkomme“, ist Hornstein neugierig.

Eine Herausforderung wird es auch in Sachen Finanzen. Tokio ist die Stadt mit den weltweit höchsten Mietpreisen. Hornsteins Praktikantengehalt fließt eins zu eins in die Unterkunft. „Die 800 Euro, die ich bekomme, zahle ich für mein 13-m²-Zimmer. Es wäre auch billiger gegangen, aber für 500 Euro hätte ich nur 5 m² zum Wohnen gehabt. Das ist dann doch ein bisschen klein. Deshalb habe ich mich für die teurere Variante entschieden“, relativiert Hornstein. Flug, Verpflegung und sämtliche Nebenkosten gilt es aus eigener Tasche zu finanzieren. „Es wird schon irgendwie gehen. Meine Wohnung in Reutte habe ich gekündigt, denn zwei Wohnungen kann ich mir nicht leisten. Und ein bisschen Erspartes habe ich ja auch noch“, meint der Reuttener, der sich seinen Lebensunterhalt derzeit als saisonaler Touristenführer auf Schloss Neuschwanstein verdient.

Einsamkeit wird den Reuttener nicht plagen. „Zum einen habe ich japanische Studienkollegen, mit denen ich mich das ein oder andere Mal treffen werde. Zum anderen haben sich meine Cousine und deren Freund schon auf Besuch angemeldet“, meint Hornstein.

Und sollte das Heimweh doch einmal zu groß werden, ist „Tirol“ ja nicht allzu weit. Denn österreichischer Botschafter in Tokio ist seit September 2016 der aus Faggen im Bezirk Landeck stammende Hubert Heiss.


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