Serbien und Kosovo: Der Weg zum Frieden führt über Tirol

Serbien und der Kosovo denken offenbar an einen Gebietstausch. Die EU scheint ihren Widerstand dagegen aufzugeben.

© Foto TT / Rudy De Moor

Von Floo Weißmann

Alpbach –Unter anderen Umständen wäre es wohl ein Eklat gewesen, was der serbische Präsident Aleksandar Vucic über seinen kosovarischen Amtskollegen Hashim Thaci sagte. Aber bei den Politischen Gesprächen in Alp­bach knüpft sich an die Offenheit die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. „Mag er mich? – Nein! – Ich mag ihn überhaupt nicht“, sagt Vucic. „Aber wir müssen miteinander reden.“ Raunen im Publikum, angespannnte Gesichter. Die beiden Präsidenten bekennen sich dazu, miteinander einen historischen Friedensvertrag auszuhandeln. Dafür gibt es in Alpbach viel Applaus.

Der Kosovo wird mittlerweil­e von der halben Welt als unabhängiger Staat anerkannt. Serbien hingegen betrachtet ihn weiterhin als Provinz. Dass Vucic überhaupt über eine Lösung des Konflikts verhandelt, macht ihn in den Augen vieler Landsleute zum Verräter, wie er einräumt. Doch der ungelöste Konflikt verstellt die Aussicht auf einen EU-Beitritt. Und gerade jetzt, unter dem EU-Vorsitz Österreichs, gibt es eine historische Gelegenheit für Fortschritte. „Die EU-Perspektive des Westbalkans ist wichtig für Österreich“, bekräftigt Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der das Treffen in Alpbach eingefädelt hat.

Die Verhandlungen gelten als sehr heikel. Sicherheitshalber warnt Van der Bellen „Journalisten und andere neugierige Leute“, nicht nachzubohren, was Vucic und Thaci miteinander besprechen.

Deutlich wird in Alpbach aber, dass ein Gebietstausch im Raum steht. Das war in der EU bisher tabu, weil man befürchtete, damit in der Region neue Begehrlichkeiten und Konflikte auszulösen. Nun aber spricht Thaci offen von einer Grenzkorrektur und versichert, dass niemand davor Angst haben müsse. „Wir sind keine problematischen Kerle. Wir versuchen, ein Abkommen zu erzielen.“ Und Vucic sagt, es gebe ja ohnehin keine von allen anerkannten Staatsgrenzen. Folglich kann man sie noch festlegen.

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Auch Europa scheint sich nun damit anzufreunden. Van der Bellen empfiehlt, man soll­e ein Abkommen zwischen Serben und Kosovaren zwar sorgfältig prüfen, „aber mit dem positiven Vorurteil, dass sie am besten wissen, was in ihrem Interesse liegt“.

Auch EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn betont in Alpbach, dass die beiden Länder miteinander eine „maßgeschneiderte Lösung“ finden müssten, die nicht als Vorlage für andere in der Region dienen solle.


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