Alte Musik unter südafrikanischem Himmel

Von Markus Stegmayr...

© Fuss

Von Markus Stegmayr

Innsbruck –Die Musizierpraxis des 16. und frühen 17. Jahrhunderts vermitteln will „Cantare et Sonare“, vor allem für Laien-Ensembles und Sänger und Bläser aus allen Tiroler Landesteilen und Bayern. Dazu finden jährlich drei bis vier Seminare statt, demnächst beispielsweise das Herbstseminar in St. Johann, in dem man sich dem Thema „Alte Musik in der Neuen Welt“ widmet. Nach drei Tagen sind diese intensiven Seminare zumeist erledigt. Nicht so jedoch das Seminar, das den Verein vor wenigen Monaten nach Südafrika führte, an den Ort Deelfontei­n.

Pampa und Busch. Das sind die wenig schmeichelhaften Attribute, die dem Obmann des Vereins, Georg Schmid, und der Seminarteilnehmerin Edith Fuss dazu einfallen. Allerdings mischt sich auch Bewunderung für die Arbeit von Gerhard Benade in ihre Erzählungen mit hinein. Dieser hat vor Kurzem in diesem „Niemandsland“, in seinem Farm-Anwesen etwa 300 Kilometer von Johannesburg entfernt, überwiegend mit Eigenmitteln unter anderem einen Konzertsaal errichtet. „Wir haben das Gebäude quasi eingeweiht“, berichtet der Obmann.

Das Südafrika-Projekt war eine regelrechte Wein-Idee. Eines Tages saßen Schmid und Norbert Brandauer, der unter anderem die Wiener Sängerknaben dirigiert, bei einem Glas Rotwein zusammen. Brandauer erzählte von seinem Seminar in Südafrika, von Gerhard Benade und dessen Engagement für die Musik. Am nächsten Tag, nach einer unruhigen Nacht, in der Schmid über die Möglichkeiten für seinen Verein nachdachte, stand das Abenteuer Südafrika fest. Trotz der Gesamtkosten von 1400 Euro meldeten sich auf die Ausschreibung 38 Personen. Vor Ort trafen diese auf 23 südafrikanisch­e Musiker.

Die „Unwägbarkeiten und Risiken“, die Schmid schon vor der Abreise im Blick hatt­e, hielten sich in Grenzen. Probleme wie Frösche in der Orgel, nicht ganz fertig gestellte Gebäude und wenig wasserdichte Hütten ließen sich bewältigen. Dass es so gut wie keinen Handyempfang gab, erwies sich sogar als Pluspunk­t. „Man wurde durch nichts abgelenkt und konnte sich somit auf die Musik und auf die Mitteilnehmer konzentrieren“, meint Schmid dazu.

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Das Südafrika-Projekt war aber nicht nur ein Abenteue­r um des Abenteuers willen, sondern es liegt ganz auf einer Wellenlänge mit den Vereinsintentionen. Vereins-Gründungsvater Prof. Otto Ulf, ab den 60er-Jahren eine wichtige Gestalt für die Etablierung von Innsbruck als Stadt für „Alte Musik“ und federführend bei den Ambraser Schlosskonzerten, wollte laut Schmid immer schon jungen Menschen diese Art von Musik näherbringen.

Mehr Dorf und Pionierarbeit als in Südafrika unter der Leitung von Norbert Brandauer ist wohl kaum vorstellbar. „Es gibt zwar eine Alte-Musik-Szene, die ist aber weit verstreut“, merkt Schmid dazu an. Mit Instrumenten wie dem Zink seien die südafrikanischen Musiker gar nicht vertraut gewesen. Auch die europäischen Teilnehmer haben dazu­gelernt und waren, wie Fuss erzählt, von der Flexibilität der Musiker dort erstaunt.


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