Das ewige Eis schmilzt dahin: Sommer setzt Alpengletschern zu

Heuer gab es zwar viel Schnee im Winter, aber der Hitzesommer hat ihn schnell schwinden lassen. Keine gute Entwicklung für die Alpengletscher, die schon seit Jahren zurückgehen.

Seit Jahren geht die Eisfläche in den Gletscher zurück.
© Kaunertaler Gletscher

Zürich – Der Hitzesommer bringt nicht nur die Menschen, sondern auch die heimischen Gletscher ordentlich ins „Schwitzen“: Aufgrund der klimatischen Bedingungen habe es bisher „überdurchschnittlich viel Schmelze“ gegeben, sagte der Innsbrucker Glaziologe Kay Helfricht im APA-Gespräch. „Der September wird entscheiden, ob es heuer ein extremes Jahr wird“, zeigte sich der Wissenschafter gespannt.

„Ein guter Winter kann die Welt nicht retten“

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Die Ablation, also der Verlust von Schnee und Eis durch Schmelzen, sei „ähnlich stark wie im vergangenen Jahr“, sagte Helfricht, der am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung (IGF) arbeitet. Der Winterschnee sei bereits so gut wie auf der gesamten Gletscherfläche weggetaut. Winterschnee ist nötig, damit die Gletscher Rücklagen bilden können. Winterschnee, der den Sommer überdauert, wird über Jahre kompakter und schließlich zu Gletschereis. Besser stelle sich die Situation derzeit noch auf ganz hochgelegenen Gletschern, also deutlich über 3000 Metern, dar, so Helfricht.

Doppelte Problematik

Es sei doppelt problematisch, dass viele Gletscher schon ausgeapert sind, erklärt auch der Schweizer Schweizer Glaziologe Andreas Bauder gegenüber der Deutschen Presse-Agentur:Zum einen reflektiert der hellere Winterschnee die Sonne besser und schützt die darunter liegenden dunkleren Eisschichten vor Sonneneinstrahlung. Zum anderen ist Winterschnee nötig, damit die Gletscher Rücklagen bilden können. Winterschnee, der den Sommer überdauert, wird über Jahre kompakter und schließlich zu Gletschereis.

Alpengletscher gehen seit Jahren zurück

„Der Sommer dauert ja auch noch an“, sagte Bauder. „Wenn die Witterung so bleibt, ist mit noch höheren Schmelzbeträgen zu rechnen.“ Aufschlussreiche Daten liegen laut den Innsbrucker Glaziologen derzeit vom Hallstätter Gletscher im Dachsteinmassiv vor. Diese Erkenntnisse hätten eine Aussagewirkung bzw. seien generalisierbar. Die Endresultate folgen dann im Oktober - nach den Messungen am Ende der „Schmelzsaison“.

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Bevor quasi abgerechnet wird, setzen die Glaziologen noch Hoffnung in den Neuschnee der vergangenen Tage. Dieser verschaffe zunächst eine „kurze Verschnaufpause“ von wenigen Tagen, erklärte der Wissenschafter. Dann komme es aber darauf an, ob weiterer Schnee folgt oder es wieder wärmer wird. Ersteres Szenario könne verhindern, dass die Ablation in dem Maße voranschreite wie bisher. Derzeit schaue es aber danach aus, dass der gefallene Schnee nicht liegen bleibt, meint Helfricht.

Gletscher gehen seit Jahren zurück

Die meisten Alpengletscher gehen seit Jahren zurück. „Und viele haben in den vergangenen Jahren wiederholt stark gelitten“, so Bauder. Der flächenmäßig größte und längste Gletscher der Alpen, der Große Aletschgletscher, hat seit Beginn der Messungen 1870 insgesamt mehr als 3000 Meter an Länge verloren.Über die letzten 20 Jahre hat der Gletscher im Mittel jedes Jahr rund 50 Meter an Länge eingebüßt.

Nicht alle Gletscher reagieren gleich auf die klimatischen Bedingungen, wie Bauder erklärt. Wie stark ein Gletscher schrumpft, hängt laut Experten unter anderem von Länge, Eisdicke und Neigungswinkel ab. (TT.com/APA/dpa)

Der Eisjochferner auf über 3000 Metern ist so gut wie schneefrei.
© Daum

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