Wörgler Ortschefin Wechner: „Das Sparziel ist nicht zu erreichen“

Wörgls Bürgermeisterin Hedi Wechner spricht im TT-Interview über die Probleme einer Budgetkonsolidierung in Zeiten des Hochwassers und die Zukunft der Einkaufsstraße im Stadtzentrum.

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Frau Bürgermeisterin, der Gemeinderat hat unter großer medialer Begleitung und einiger politischer Aufregung einen Konsolidierungskurs beschlossen, zeigt dieser bereits Wirkung?

BM Hedi Wechner: Wir sind auf Linie und bewegen uns in die richtige Richtung. Es kommen leider immer wieder unvorhergesehene Aufgaben auf uns zu. Bei Großvorhaben haben wir aber ein genaues Augenmerk auf die Kosten.

Es war von drei Millionen Euro Einsparungen jährlich, knapp zehn Prozent vom Budget, die Rede?

BM Wechner: Ganz ehrlich gesagt, dieses sehr ambitionierte Ziel werden wir wahrscheinlich nicht erreiche­n. Aber es wird jetzt mehr überlegt, man hinterfragt die Ausgabe­n und man kontrolliert sie auch stärker, da ist ja auch ein Sinn hinter dieser ganzen Aktion. Wie viel wir heuer einsparen, lässt sich schwer sagen, weil wir nicht wissen, welche Kosten wegen des jüngsten Hochwassers entstehen. Wir müssen die Bachbetten und Geschiebesperren ausräumen. Es wäre reines Glaskugellesen, wenn ich bereits jetzt Zahlen nenne. Aber es ist mein Bestreben, so nahe als möglich an die Vorgabe heranzukommen.

Es gibt ja einen sehr umfangreichen Maßnahmenkatalog im Zuge dieses Sparpaketes. Gibt es jetzt Punkte, die man als nicht machbar erkannt und herausgestrichen hat?

Hedi Wechner.
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BM Wechner: Was für mich nicht zu realisieren ist, sind Einsparungen im sozialen Bereich. Die werden jetzt von ganz oben herab genug gemacht.

Sie haben den Wegfall der Regressansprüche in Pflegeheimen kritisiert. Hat sich herausgestellt, dass es tatsächlich ein Problem für die Stadt ist?

BM Wechner: Ja, das wird ein sehr großes Problem. Wir rechnen mit jährlichen Zahlungen von rund 280.000 Euro seitens der Stadt.

Eine Frage bewegt viele Wörgler: Wie geht es mit dem Innhochwasserschutzprojekt weiter?

BM Wechner: Versprochen war ja, dass 2018 die Bagger auffahren, dass es nicht so sein wird, kann jeder nachvollziehen. Der Wasserverband ist noch immer nicht gegründet. Und interessanterweise ist nun doch aufgetaucht, dass das Land ein Machtwort wird sprechen müssen, weil es nicht anders geht. Aber derzeit ist Stillstand.

Was sind die Ursachen dafür?

BM Wechner: Zum einen bewegt sich in Radfeld nichts und Angath will ja in alle Ewigkeit keine Kosten übernehmen, aber dagegen verwehre ich mich. Angath zahlt zwar jetzt keinen Beitrag in den Hochwasserschutz, aber einen Freibrief für alle Zeiten darf es nicht geben. Es kann sich ja auch etwas an den Voraussetzungen ändern.

Es gibt noch andere Aufgaben im Bereich des Hochwasserschutzes?

BM Wechner: Ja, und was den Wasserverband für die Brixentaler Ache anbelangt, sind wir vor der Gründung. Hier müssen wir rund acht Prozent der noch nicht feststehenden Kosten übernehmen. Was uns auch zu schaffen macht, sind die kleinen Bäche, das haben die jüngsten Unwetter gezeigt. Es gibt aber auch keine hundertprozentige Sicherheit. Wir sind aber unserer Verpflichtung des Ausräumens der Becken sehr wohl nachgekommen, aber es ist so viel Material ins Tal mitgerissen worden, dass diese sofort wieder voll waren.

Die Wörgler bewegt auch die Bahnhofstraße und dere­n Zukunft. Es scheint, als ob die Ansiedlung neue­r Geschäft­e, besonders der Gastronomie, sehr schwieri­g ist. Wie geht es weiter?

BM Wechner: Auf die frei stehenden Geschäfte in der Bahnhofstraße haben wir sehr wenig Einfluss. Aber was das Leben in der Straße anbelangt, versuchen wir möglichst viele Veranstaltungen zu machen. Außerdem legen wir kleine Plätze an, an denen man sitzen kann. Wir wollen, dass die Leute flanieren können.

Immer wieder wird über ein­e stärkere Verkehrsberuhigung in der Bahnhof­straße diskutiert, gibt es hierfür noch Pläne?

BM Wechner: Faktisch haben wir ja hier bereits eine Begegnungszone. Wir haben auch Längsparkplätze statt der Querstellplätze geschaffen. Ich gehe auch nicht davon weg, dass die Straßenoberfläche dem Menschen gehört und nicht dem ruhenden Verkehr. Ich möchte auch die Straße weiter verkehrsberuhigen. Was ich nicht mache, ist oben und unten eine Schrank­e hinzustellen und zu sagen: Jetzt haben wir eine Fußgängerzone. Diese Fußgängerzone müsste sich selbst erarbeiten.

Beim Thema fehlende Gastronomie kann die Stadt nicht helfen?

BM Wechner: Ich bin da voll Mitleid für alle, die etwas tun wollen, aber nicht dürfen. Wir wollten in den Sommermonaten generell die Sperrstunde für den Freibereich auf 23 Uhr hinaufsetzen. Da wird offenbar aber zwischen Tourismusor­t und Nichttourismusort unterschieden. Wörgl zählt zu den Letzteren. Bis 22 Uhr kann laut der Bezirkshauptmannschaf­t im Garten offen gehalten werden, aber länger nicht. Wir wollen uns da aber noch eine weitere Rechtsmeinung einholen. Es hat interessierte Gastronomen gegeben, aber aufgrund der Bedingungen haben die dann abgesagt.

Das Gespräch führte Wolfgang Otter


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