Schwaz will Asylberechtigte besser integrieren

Ein internationales Projekt will Gemeinden und Städten bei der Interaktion mit Migranten unter die Arme greifen. Schwaz macht mit.

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Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz –Obwohl die beiden Flüchtlingsheime in Schwaz heuer schließen, war die Stadt in den letzten Jahren oft ein Vorbild in Sachen Integration. Und das soll auch weiterhin so bleiben, wie die Zustimmung zu einem neuen Projekt zeigt.

„Integration in den Gemeinden“ heißt das Programm der IOM (International Organization for Migration). Dabei sollen auf lokaler und kommunaler Ebene die Interaktion und Arbeit mit Migranten unterstützt werden. Auch der Austausch zwischen den teilnehmenden Städten und Gemeinden soll gefördert werden, damit man sich hier und dort etwas abschauen kann bzw. man voneinander lernt. „Wir haben bereits in einer ersten Projektphase spannende Erfahrungen gesammelt. Nun wollen wir noch flexibler agieren und nachhaltigen Input schaffen“, sagt Katharina Benedetter, Leiterin der Integrationsabteilung der IOM.

Das EU-geförderte Programm geht über zwei Jahre. Begonnen wird im Herbst mit einer Bedarfserhebung. „Wir wollen wissen, wo es Nachholbedarf gibt, was gut läuft, was weniger funktioniert oder wovon andere lernen können“, erklärt Benedetter. Oftmals fehle die Vernetzung zwischen den verschiedenen Ebenen, die sich für Integration engagieren. Auch die Kapazitäten wolle man durch das Projekt ausbauen. Weiters sind Schulungen geplant, um die Schwachstellen auszubessern. „Wir wollen aber auch, dass das erlernte Wissen weitergegeben wird, nach dem Prinzip ,Train the Trainer‘“, sagt Benedetter.

Laut StR Viktoria Gruber leben bis zu 72 verschiedene Nationen in der Bezirkshauptstadt. „Eine gute Vernetzung ist da sehr wichtig. Zudem kostet die Stadt das Projekt nichts, da es von der Europäischen Kommission finanziert wird“, sagt Gruber. Doch es sei teils nicht einfach, die Migranten einzubinden. „Wir tun uns schwer, Asylberechtigte zu erreichen. Vielleicht kann da dieses Projekt helfen“, sagt Gruber. Das hofft auch BM Hans Lintner: „Bei der Integrationsarbeit wird oft zu wenig auf die Gemeinden eingegangen. Wenn die Tiroler Sozialen Dienste bei uns tätig sind, jedoch Asylberechtigte, die hier wohnen, von uns fernhalten, dann ist das schwierig“, kritisiert Lintner. Man komme nicht an die Personen heran – die Kontaktdaten würden aus Datenschutzgründen nicht herausgegeben. „Der Bedarf an Integration ist aber da. Das merkt man spätestens am Wohnungs- oder Arbeitsmarkt sowie bei sozialen Netzwerken“, sagt Lintner.

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Genau das seien Themen, die man angehen möchte. „Wie kann man Integration leben, wie kommt man an die Leute heran – darum geht es uns“, sagt Benedetter. Aber es sollen nicht nur Maßnahmen gesetzt werden, sondern diese auch auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Zudem wird der Vernetzungsgedanke nicht nur innerhalb der Stadt oder Gemeinde großgeschrieben, sondern auch zwischen den Projektteilnehmern. Neben Schwaz sind in Österreich auch Tulln, Korneuburg, Bruck an der Leitha, Wels, Stockerau und möglicherweise auch Innsbruck mit an Bord. Weiters sind Städte und Gemeinden in Griechenland, Malta, Italien, Polen, Rumänien und Spanien am Projekt beteiligt. Bei Austauschtreffen solle man voneinander lernen und gute Ideen oder Maßnahmen mit nach Hause nehmen bzw. den anderen mit auf den Weg geben.

„Schwaz hat eine lange Tradition im Zusammenleben mit verschiedenen Kulturen. Das dürfte für die anderen Städte spannend sein und sie können von den Schwazern sicher viel lernen“, sagt Benedetter.


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