Im Paradies der Biker ging der große Traum in Erfüllung

Der neunjährige Moritz Waibl durfte erstmals ein Downhill-Rennen bestreiten – in Whistler (CAN). In Österreich ist er dafür noch zu jung.

  • Artikel
  • Diskussion
Lieblingshindernis: Der Götzener Moritz Waibl meisterte in Whistler einen so genannten „Drop“.
© Waibel

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck –Holzrampen und „Tables“, jene Hindernisse, die wie Tische aussehen, mag er am liebsten. „Aber Hauptsache springen“, sagt Moritz Waibl und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Für den Neunjährigen ist vergangene Woche ein Kindertraum wahr geworden. Der Götzener durfte erstmals ein Downhill-Rennen fahren – noch dazu im Paradies der Bergabradler: im kanadischen Whistler, mit rund 75 Trails der wohl größte Bikepark der Welt.

„Eigentlich wäre die Reise erst zum Abschluss der Volksschule geplant gewesen, aber da Freunde gefahren sind, hat es sich eben heuer schon ergeben“, erzählt Vater Raimund Waibl. Dass dann in Whistler noch ausgerechnet zur selben Zeit ein Rennen, das Kidsworx Downhill Race, stattfand, sei Zufall gewesen. „Der uns aber natürlich gelegen gekommen ist“, beschreibt der Vater schmunzelnd. Bei einigen Rennen war der Junior schon als Vorläufer dabei gewesen, im Klassement starten hatte er aber bislang nicht dürfen. In Mitteleuropa, etwa beim Rookies Cup, ist Kindern erst ab zwölf Jahren erlaubt, mitzufahre­n. „In Portugal erst ab 15 Jahren“, weiß der Papa.

Bei den Starts als Vorläufer muss Senior Waibl stets hintennach fahren. Ohne Begleitung eines Erwachsenen sei selbst ein Befahren des Renntrails den zu jungen Fahrern nicht erlaubt: „Ich muss nach ihm fahren, auch wenn ich Moritz nicht hinterherkomme.“

Für die Anmeldung zum Bewerb der Neun- und Zehnjährigen in Whistler hatten die Waibls sogar ein Video schicken müssen: „Es wird also schon geschaut, ob die Kids fahren können.“ Bedenken wegen möglicher Verletzungen hat der zweifache Vater nicht (Tochter Mona ist 6 Jahre): „Natürlich mache ich mir auch Sorgen. Zum Glück ist Moritz aber keiner, der Kamikaze-Aktionen macht.“ Seit den ersten Fahrten auf dem Trail der Muttereralmbahn mit sechs Jahren sei der Volksschüler infiziert. Es nütze ja nichts, „er ist einfach wahnsinnig glücklich, wenn er downhillen darf“, beschreibt der sportbegeisterte Musiker, zudem Frontmann der bekannten Tiroler Rockband The Pure.

Gerockt hat der Sohnemann als einziger Europäer den Bewerb in Kanada dann auch. Trotz längerer Streckensperre aufgrund eines Sturzes behielt der Neunjährige die Nerven und wurde unter 48 Fahrern 13., in seinem Jahrgang Fünfter. Klar, dass sein Berufswunsch längst feststeht: „Ich will einmal Downhill-Profi werden“, sagt der junge Mann mit den blonden Haaren. Dabei stünden ihm vermutlich weitere Alternativen offen. Waibl wurde heuer Zweiter in der Bezirkscup-Gesamtwertung der Skirennläufer und liebt dazu das Motocrossfahren. Seinem Vorbild nach zu schließen, gibt es aber nur einen Weg, also Trail: „Ich will so werden wie mein Cousin.“ Kilian Schnöller, Junioren-Staatsmeister aus Absam, der ab Herbst als Profi die Berge runterradelt.


Kommentieren


Schlagworte