Steirische FH Joanneum forscht über Insekten als Nahrungsmittel

Graz (APA) - Mehlwürmer und andere Insekten gelten als gesunde Nahrungsmittel, landen aber bisher kaum auf europäischen Tellern. Die steiris...

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Graz (APA) - Mehlwürmer und andere Insekten gelten als gesunde Nahrungsmittel, landen aber bisher kaum auf europäischen Tellern. Die steirische FH Joanneum erforscht ab November zumindest fünf Jahre lang, wie die Tierchen verarbeitet werden müssen, damit sie dem Menschen oder auch anderen Tieren schmecken, bestätigte Studiengangsleiter Johannes Haas am Montag einen Bericht des ORF Steiermark.

Bereits 2015 haben sich Studierende der Fachhochschule mit den Möglichkeiten beschäftigt, Insekten als Futter- und Nahrungsmittel aufzubereiten. Dabei wurden ein Konzept für eine innovative Trocknungsanlage für Maden sowie ein Rezept für einen Waffelsnack mit Grillenmehl entwickelt. Mit dem neuen Projekt ab November - genannt „Sustainable Proteins: Integrierte Insekten Innovationen entlang der Food Chain“ - soll die gesamte Lebensmittel-Wertschöpfungskette betrachtet werden. Gemeinsam mit drei anderen Instituten der FH Joanneum, der University Wageningen (Niederlande), der Universität Graz sowie der Firma Hygienicum wird die nachhaltige und effiziente Erzeugung von tierischem Protein am Beispiel von Insekten erforscht. Das Projektvolumen beträgt 1,03 Millionen Euro.

Im Zentrum der Forschung steht die Frage: Wie kann die Proteinversorgung durch Insekten nachhaltig gestaltet werden? Hintergrund sind ökologische Schäden wie steigende CO2-Konzentration, Abholzung von Regenwäldern oder Grundwasserbelastung - Folgen der Erzeugung von tierischem Protein für die Ernährung. Global wird weiterhin mit einem deutlichen Anstieg des Fleisch- und Fischkonsums gerechnet. Damit sich die Situation nicht weiter verschärft, brauche es neue Ideen: Insekten seien eine Überlegung wert, so die Fachhochschule.

Haas schilderte gegenüber der APA, dass Eiweißpulver aus Insekten eines der aussichtsreichsten Ziele der Forschungen ist. Das Pulver soll zum einen in Fischfutter zum Einsatz kommen, aber auch in Lebensmitteln, wobei die Produkte nicht nach Insekten, sondern nach bekannten Lebensmitteln schmecken sollen, sagte Haas. Einen eher geringen Anteil dürften auch künftig geröstete Mehlwürmer und andere Insekten auf Tellern ausmachen: „Die sollen eher Aufmerksamkeit für das Thema erregen.“ Hauptziel seiner Überlegungen sei es, heimische Fische mit heimischem Futter zu züchten. Wirtschaftliche Lösungen sind gefragt: Haas könne sich etwa vorstellen, dass sich ein Hotelier mit geeigneten Abfällen sowie ein Fischzüchter zusammentun und einen größeren Zuchtapparat für Mehlwürmer anschaffen.

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Derartige Zuchtapparate sollen ebenfalls im Projekt entwickelt werden: „Es geht nicht nur um Neues für unser Ernährungssystem, sondern auch um Innovation bei den Anlagen“, beschrieb Haas. Ein kleiner Zuchtapparat für Mehlwürmer stehe derzeit im Sekretariat seines Studiengangs. Darin werden Würmer gefüttert und aufgezogen: „Gerade fressen sie Haferflocken und wir haben festgestellt, dass sie lieber Äpfel als Birnen mögen“, so der Studiengangsleiter. Man beobachte mit welchem Futter sie besser wachsen, was sie mögen oder auch welche Stadien durchlaufen werden: „Wir müssen sie verstehen lernen - ähnlich wie jemand wissen muss, wie er seine Kuh oder seine Hühner füttert und pflegt.“

Bei Futter für die Mehlwürmer stehe auch die Frage der Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Es mache wenig Sinn, Soja aus Südamerika zu verwenden, auch wenn sie das gerne fressen. Die Forscher sind eher auf der Suche nach Pressrückständen und anderen Abfällen, die ansonsten für keine anderen Produkte verwendet werden können, aber in ausreichender Menge in Österreich anfallen. Außerdem müssen sie den Mehlwürmern auch schmecken.


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