Asylwerber in Lehre: UNHCR bedauert Regierungspläne

Wien/Genf (APA) - Das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR bedauert die Pläne der Regierung, Asylwerbern den Zugang zur Lehrausbildung zu ve...

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Wien/Genf (APA) - Das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR bedauert die Pläne der Regierung, Asylwerbern den Zugang zur Lehrausbildung zu verschließen. „Für viele junge Asylsuchende würde das bedeuten, dass sie oft jahrelang untätig herumsitzen müssen, anstatt in Österreich etwas Sinnvolles zu tun und dabei etwas zu lernen“, sagte Christoph Pinter, Leiter von UNHCR Österreich, am Montag in einer Aussendung.

Zugang zu Bildung und Ausbildung seien sowohl für die jungen Menschen, als auch für die gesamte Gesellschaft eine Investition in die Zukunft, so Pinter weiter. Aus Sicht des UNHCR ist die geplante Änderung „ein Schritt in die falsche Richtung“. Für junge Menschen seien „verlorene“ Jahre während des Asylverfahrens außerdem noch viel gravierender als für Erwachsene. Auch für jene Menschen, die nicht dauerhaft in Österreich bleiben können, wäre eine zusätzliche Qualifizierung von Vorteil.

Kritik kam auch aus der evangelischen Kirche in Österreich. Olivier Dantine, Superintendent der Diözese Salzburg-Tirol, schrieb auf Facebook: „Eine Ideologie, die Stimmung gegen Asylwerber macht, hat Menschlichkeit und Vernunft ausgestochen. Es geht offenbar nur noch darum, Integration zu verhindern.“ Besonders bedenklich sei in der Diskussion die Behauptung, mit der Erteilung von humanitärem Bleiberecht würde der Rechtsstaat umgangen.

„Eine auf vielen Ebenen falsche Entscheidung“ kritisierte Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich: „Der Ausschluss von jungen AsylwerberInnen von Mangelberufen wäre aus wirtschaftlicher Sicht problematisch, weil es bereits jetzt in manchen Berufen nicht möglich ist, Stellen nachzubesetzen.“ Aus integrationspolitsicher Sicht würden die Betroffenen oft mehrere Jahre verlieren.

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„Eine klare Verletzung der Kinderrechte“ sieht Elisabeth Hauser, stellvertretende Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf, in der Regierungsmaßnahme. „Denn laut Kinderrechtskonvention hat jedes Kind und jeder Jugendliche das Recht auf bestmögliche Bildung, Entwicklung und Entfaltung - völlig unabhängig von Herkunft und Asylstatus“, hieß es in einer Aussendung. Weitere Kritik kam auch von der Bundesjugendvertretung.

Nochmals zu Wort meldete sich am Montag Oberösterreichs Integrationslandesrat Rudi Anschober von den Grünen. Seine gestartete Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ werde auch nach dem angekündigten Aus für die Lehre nicht aufgeben - ganz im Gegenteil. Bereits am Freitag werde man „neue Überraschungen“ veröffentlichen.

Als zynisch, realitätsfremd und unternehmerfeindlich bezeichnete der Grünen-Landessprecher in Salzburg, Heinrich Schellhorn, die Entscheidung. Für Sabine Jungwirth, Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft, zeigt die Bundesregierung „einmal mehr ihr unmenschliches Gesicht“. „Die ÖVP hat die gesamte Asyl- und Migrationspolitik den Freiheitlichen überlassen“, meinte die Integrationssprecherin der Liste Pilz, Alma Zadic.

~ WEB http://www.unhcr.org ~ APA205 2018-08-27/12:51


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