Causa Kuhn liegt nun bei Gleichbehandlungskommission

Die Vorwürfe gegen den Erl-Chef werden außergerichtlich in Wien geprüft. Auch die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt noch.

  • Artikel
Der ehemalige künstlerische Leiter der Tiroler Festspiele Erl, Gustav Kuhn.
© TT/Rudy De Moor

Von Markus Schramek

Erl, Wien, Innsbruck – Hat Gustav Kuhn, der zwischenzeitlich beurlaubte Leiter der Festspiele Erl, Künstlerinnen sexuell belästigt? Diese Frage wird nun offiziell von der Gleichbehandlungskommission des Bundes geprüft. Eingebracht wurde der Antrag dazu vom Kaufmännischen Leiter der Festspiele, Peter Zednicek, am 17. August. Das bestätigte Erl-Ombudsfrau Christine Baur auf Anfrage.

Fünf ehemals in Erl engagierte Künstlerinnen hatten Kuhn Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe zur Last gelegt. Kuhn stellte daraufhin am 31. Juli seine Funktion als Künstlerischer Leiter ruhend. Der Vorstand der Stiftung Erl beschloss, die Gleichbehandlungskommission einzuschalten. Eine unabhängige, außenstehende Instanz solle den Vorwürfen nachgehen, so die Stiftungsvorstände Hans Peter Haselsteiner und Kultur-LR Beate Palfrader (ÖVP).

Ombudsfrau und Ex-Soziallandesrätin Baur war vor ihrer politischen Tätigkeit Gleichbehandlungsanwältin für Westösterreich. Die Aufgabe der Gleichbehandlungskommission mit Sitz im Bundeskanzleramt in Wien beschreibt sie so: „Neben der Prüfung der Vorwürfe gegen Kuhn geht es darum, aufzuzeigen, ob die von den Festspielen getroffenen Gegenmaßnahmen ausreichen.“

Vor der Kommission gilt die Beweislastumkehr: Nicht die Künstlerinnen müssen ihre Vorwürfe beweisen, sondern Kuhn muss nachweisen, dass die Vorwürfe, die er vehement bestreitet, nicht stimmen. Die Kommission befragt Zeugen und erstellt ein Gutachten. Das dauert. Baur glaubt, „dass sich der Bericht der Kommission heuer wahrscheinlich nicht mehr ausgeht“.

Damit geraten die Verantwortlichen in Erl in die Zwickmühle. Andreas Leisner, zuvor Kuhns Stellvertreter und nun interimistisch sein Nachfolger, plant die Winterfestspiele 2018 mit Kuhn als Dirigent. Das ist umstritten. Grünenchefin Ingrid Felipe, Koalitionspartnerin der ÖVP in Tirol, legt Kuhn nahe, in Erl auch als Dirigent nicht mehr in Erscheinung zu treten, bis die Vorwürfe geklärt sind.

Mit der strafrechtlichen Relevanz der Causa ist die Staatsanwaltschaft Innsbruck befasst. Ein Ergebnis der Ermittlungen werde „vor Mitte bis Ende Oktober nicht vorliegen“, hieß es gestern bei der Staatsanwaltschaft.

Erl-Präsident Haselsteiner und Landesrätin Palfrader hatten zuvor betont, dass Kuhns Zukunft in Erl von beiden Untersuchungen, Kommission und Staatsanwalt, abhänge. Der Vertrag des 73-jährigen Kuhn endet 2020.


Schlagworte