Fußball: Kultureller Riss im Team? Migrationsthema fordert DFB weiter

Berlin (APA/dpa) - Kurz vor Bekanntgabe des ersten Kaders nach der WM-Blamage machen Schlagzeilen über einen angeblichen kulturellen Riss in...

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Berlin (APA/dpa) - Kurz vor Bekanntgabe des ersten Kaders nach der WM-Blamage machen Schlagzeilen über einen angeblichen kulturellen Riss in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Runde. Bei der Spaltung, die auch bei der WM die Stimmung getrübt haben soll, dürfte es sich aber mehr um Lebensstil als um die Herkunft der Spieler halten.

„‘Kanaken‘-Spaltung im WM-Team“ titelte die „Bild“-Zeitung am Montag. Auch weil DFB-Teamchef Joachim Löw aus seiner WM-Analyse bis zum Mittwoch für die Öffentlichkeit weiter ein großes Geheimnis macht, geht in den Medien die spekulative Spurensuche nach den Gründen für das WM-K.o. unvermindert weiter.

Der vermeintliche Riss im Team läuft angeblich zwischen Akteuren wie Jerome Boateng, Antonio Rüdiger, dem nicht zur WM mitgenommenen Leroy Sane, dem in Rage zurückgetretenen Mesut Özil, aber auch Julian Draxler, die durch extravagante Kleidung und ihre Liebe zur Rap-Musik auffallen und den eher konservativ in Erscheinung tretenden Bayern rund um Manuel Neuer, Mats Hummels und Thomas Müller. Offenbar geht es mehr um Lebensstil als um die Herkunft, auch wenn die Schlagzeilen im Jahr 2018 anders zugespitzt werden. Das Integrationsthema ist brisant, bringt Klicks und Leserschaft.

Die Debatte um „Kanaken“ und „Kartoffeln“, wie sich die Nationalspieler untereinander oder auch selbst bierernst oder doch nur im Scherz bezeichnet haben sollen, trifft höchstens einen Randaspekt der Zersplitterung des gescheiterten Titelverteidigers in Russland. Während des Turniers wurde vielmehr über Konflikte zwischen den Fraktionen der 2014-Weltmeister und der Confed-Cup-Sieger 2017 - also zwischen Jung und Alt - debattiert. „Es gibt keine Gruppen, hier die Weltmeister, hier Confed-Cup-Sieger“, versicherte Kapitän Manuel Neuer während des Turniers.

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Es ist zu vermuten, dass es um den Teamgeist schlicht aus verschiedensten Gründen nicht gut bestellt war. Alter, Lebensstil, persönliche Eitelkeiten und konkurrierende sportliche Ambitionen sind nur einige Aspekte, die bei einer Mannschaftssport wie Fußball Einfluss aufs Teamklima haben. „Wir wissen, dass wir uns in Zukunft dem Thema intensiv widmen müssen. Auf jeden Fall werden wir alles dafür tun, dass wir wieder ein echtes Team werden“, sagte Oliver Bierhoff, passenderweise Teammanager der DFB-Auswahl. Verbandschef Reinhard Grindel kündigte an, vor den Länderspielen gegen Frankreich (6. September) und Peru (9. September) mit dem Mannschaftsrat sprechen zu wollen.


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