Protest der streikenden kroatischen Werftarbeiter in Zagreb

Zagreb (APA) - Beschäftigte aus den kroatischen Werften in Pula und Rijeka, die seit Mittwoch wegen verzögerten Lohnauszahlung streiken, ver...

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Zagreb (APA) - Beschäftigte aus den kroatischen Werften in Pula und Rijeka, die seit Mittwoch wegen verzögerten Lohnauszahlung streiken, versammelten sich am Montag in der Hauptstadt Zagreb zu einem Protest. Rund 1.000 Arbeiter protestierten vor dem Regierungssitz und forderten Lösungen für ihre Löhne und die Rettung der Werften, die sich in Schieflage befinden, berichteten kroatische Medien.

Nach einem Treffen der Gewerkschaftsvertreter mit Regierungschef Andrej Plenkovic und zuständigen Ministern steht nun eine kurzfristige Lösung für die Löhne in Sicht. Die Regierung stehe in Gesprächen mit kommerziellen Banken über Kredite, um das Geld für Löhne für zwei Monate sicherzustellen, sagte Wirtschaftsminister Darko Horvat nach dem Treffen. „Ich hoffe, dass wir bis Freitag die Lösung für mindestens einen Monat haben“, sagte der Minister ohne die Details preiszugeben.

Die Gewerkschaften wollen den Streik erst dann beenden, wenn die Löhne für Juli auf den Konten der Arbeiter sind, hieß es nach dem Treffen. Die rund 4.500 Beschäftigten der beiden Werften aus der Uljanik-Gruppe waren am Mittwoch in den Streik getreten, nachdem sich die Lohnauszahlung für Juli verzögert hatte. Die Löhne hätten bis 15. August ausbezahlt werden sollen, die Unternehmensführung konnte allerdings bisher kein Geld auftreiben.

Die Regierung soll außerdem angedeutet haben, dass sie ebenfalls unzufrieden mit dem Uljanik-Vorstand ist, hieß es nach dem Treffen vonseiten der Gewerkschaftsvertreter. Die Streikenden halten die Unternehmensführungen der beiden Werften für die Schieflage verantwortlich und fordern deren Rücktritte.

Die Sicherstellung der Löhne ist lediglich eine kurzfristige Lösung, um die Situation zu beruhigen. Die Werften in Pula und Rijeka, die große Liquiditätsproblemen haben, brauchen auch Geld, um die Produktion fortsetzen zu können.

Für den Sanierungsbeginn der Werft „Uljanik“ aus Pula wartet man derzeit auf grünes Licht von der EU-Kommission. Die Werft „3. Maj“ aus Rijeka hat eine Sanierung erst im Vorjahr abgeschlossen, steckt aber wegen Problemen der Schwesterwerft ebenfalls in finanziellen Schwierigkeiten.

Alle haben Interesse an der Fortsetzung des Schiffsbaus in Pula und Rijeka, sagte der Wirtschaftsminister. Wie er betonte, müsse das jedoch unter „anderen, nachhaltigen Modalitäten“ geschehen, so dass beide Werften profitabel werden.

Kroatien musste vor dem EU-Beitritt 2013 die Werften privatisieren. Der Mutterkonzern der Uljanik-Gruppe gehört zu 46 Prozent den Arbeitern, den Rest halten Investoren. Der größte Aktionär ist die führende kroatische Versicherung Croatia Osiguranje mit knapp 10 Prozent. Der Staat hält über verschiedene Fonds indirekt rund 25 Prozent an der Gruppe.


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