„Zum Leben verdammt“: Großer Roman in großer Neuübersetzung

Wien (APA) - Es ist ein kleiner Schritt vom Krieg zum Verbrechen, vom Freiheitskampf zum Terrorismus, von der Verteidigung der eigenen Ansic...

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Wien (APA) - Es ist ein kleiner Schritt vom Krieg zum Verbrechen, vom Freiheitskampf zum Terrorismus, von der Verteidigung der eigenen Ansicht zum Hass: Daniel Woodrell („Winters Knochen“) hat in seinem erschütternden Roman „Zum Leben verdammt“ von 1987 dieses Thema verarbeitet. Der Verlag liebeskind brachte nun eine superbe Neuübersetzung der Geschichte auf den Markt, deren Motive aktuell denn je sind.

Der mittlerweile 65-jährige US-Autor stellt der Handlung ein Zitat voran: „Mit dem Kriegsspiel hat es sich ausgespielt!“ Das fasst die beschriebenen Ereignisse von 1861 im Grenzland zwischen Missouri und Kansas nüchtern zusammen. Das Grauen steuert Woodrell auf knapp 250 intensiven Seiten bei. Eine Gruppe von Freischärlern, denen der deutschstämmige Jake Roedel angehört, bekämpft im US-Bürgerkrieg nicht nur Soldaten der Nordstaaten, sondern auch Zivilisten. Der „ehrbare Krieg“, sofern es einen solchen gibt, ist einer Orgie an blinder Gewalt gewichen, aus dem „Spiel“ brutale Wirklichkeit geworden.

Eine düstere Atmosphäre bestimmt den Roman, für keine der verfeindeten Seiten will man Verständnis empfinden, auch für Roedel, den Erzähler, halten sich die Sympathien in Grenzen, ermordet er doch gleich im ersten Kapitel ein Kind. Aus blinder Loyalität und im Glauben, auf der rechten Seite zu stehen, kämpft er für die Konföderierten und weiß: „Es gibt Grenzen, die kann man nicht überschreiten und dann als derselbe zurückkehren.“ Diese Linie haben die Freischärler längst überschritten, Mord und Raub stehen an der Tagesordnung, dass „bei dieser Gier nach Beute die eigentliche Sache verloren gegangen war“, dämmert Roedel irgendwann.

Woodrell schafft es, mit seinem präzisen und zugleich eleganten, poetischen Stil auf wenig Raum sehr viel zu transportieren. Man wähnt sich mittendrin und mitgerissen, man fühlt den Schmerz, die Ohnmacht, aber auch die Liebe, der Roedel auf seinem Weg begegnet und die am Ende etwas Hoffnung auf eine bessere Welt aufkommen lässt. Der Stoff wurde 1999 von Ang Lee als „Ride With The Devil“ solide verfilmt. Die Kraft der Worte Woodrells steht allerdings für sich.

(S E R V I C E - Daniel Woodrell, „Zum Leben verdammt“, aus dem Englischen von Peter Torberg, gebunden mit Schutzumschlag, 256 Seiten, 20,60 Euro)


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