Salzburger Festspiele - Zwei Barenboims auf Beethoven-Mission

Salzburg (APA) - 1970 erschien eine Aufnahme der Beethoven-Trios, die Kammermusikgeschichte schrieb: Der 27-jährige Daniel Barenboim, seine ...

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Salzburg (APA) - 1970 erschien eine Aufnahme der Beethoven-Trios, die Kammermusikgeschichte schrieb: Der 27-jährige Daniel Barenboim, seine zwei Jahre jüngere Frau, Jacqueline du Pre, am Cello und der Violinist Pinchas Zukerman, selbst erst Anfang Zwanzig. Knapp 50 Jahre später spielt Barenboim die Trios erneut - diesmal mit seinem Sohn Michael und mit dem österreichischen Cellisten Kian Soltani - in Salzburg.

„Für meinen Vater ist das eine sehr emotionale Sache“, sagt Michael Barenboim im Gespräch mit der APA. 1985 in Paris geboren, entstammt er Barenboims Beziehung mit seiner heutigen, zweiten Frau Elena Bashkirova, die er nach dem Tod du Pres nach ihrem jahrelangen Leiden an Multipler Sklerose heiratete. Aber nicht nur aufgrund der familiären Verflechtungen, auch rein musikalisch ist es herausfordernd, dem historischen Vorläufer gerecht zu werden. „Wir geben uns Mühe“, meint Barenboim. Zusammengefunden hat sich das ungleiche Trio im „Divan“, wie Barenboim junior das Orchester und Friedensprojekt „West-Eastern Divan“ nennt, das sein Vater gemeinsam mit dem palästinensischen Intellektuellen Edward Said gegründet hat - und in dem Michael Barenboim als Konzertmeister fungiert.

Das Orchester, das israelische und palästinensische, jüdische und muslimische Musiker vereint und das im heurigen Salzburger Festspielsommer ebenfalls schon zwei Konzerte absolviert hat, sei ein „alternatives Denkmodell für die Region“, so Barenboim. Eskalierende Konflikte im Nahen Osten seien früher durchaus auch im Orchester zu spüren gewesen - „aus irgendeinem Grund eskalierte die Situation oft unmittelbar im Vorfeld unserer Probenphasen“ - mittlerweile seien die Musiker aber „als Orchester zusammengewachsen. Wir können als Gruppe damit umgehen. Es kommen Menschen zusammen, die sich sonst nie kennengelernt hätten. Wenn sie gemeinsam eine Phrase Bruckner spielen, dann tun das alle gleich. Das bedeutet viel. Aber das muss man trainieren.“

Auch Kian Soltani, Bregenzer mit iranischen Eltern, hat Daniel Barenboim in den „Divan“ geholt, während seiner Jahre dort sei Soltani, seit einiger Zeit ein echter Shootingstar am Cello, „enorm gewachsen“, erzählt Michael Barenboim. Die Idee, eine feste Trioformation zu bilden, kam von seinem Vater. „Kammermusik ist für ihn auch heute sehr wichtig.“ In den Vorläufen des Beethoven-Jahres 2020 - der Geburtstag des Komponisten wird sich zum 250. Mal jähren - habe sein Vater Pläne, alle Klaviersonaten aufzuführen, „und die Symphonien wird er sicher auch irgendwo unterbringen“. Bleiben die Trios.

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Mit dem Vater als Dirigent und als Kammermusikpartner zu arbeiten, schaffe zwischen ihnen eine völlig andere Beziehungsebene. „Der Dirigent und der Vater können nicht derselbe sein - das funktioniert nicht“, sagt Barenboim, der sich abseits des „Divan“ und der verschiedenen Kammermusikformationen vor allem auf seine solistische Laufbahn konzentriert. In Paris geboren, aber bereits als Kind nach Berlin umgesiedelt, als Sohn eines argentinisch-israelischen Vaters und einer russischen Mutter ist er de facto viersprachig aufgewachsen. Um die Welt führen ihn auch seine kommenden Konzertverpflichtungen: Rezitale gibt Michael Barenboim in Portugal und in der Toskana, mit dem Glazunow-Violinkonzert tritt er in Dresden und San Diego auf, im kommenden Frühjahr debütiert er beim Los Angeles Philharmonic unter Gustavo Dudamel mit Mozarts erstem Violinkonzert.

Nach Österreich kehrt Michael Barenboim schon bald mit beiden Eltern zurück: Zur Salzburger Mozartwoche wieder mit Vater Daniel, Soltani und zusätzlich Yulia Deyneka an der Bratsche und Daniel Ottensamer an der Klarinette. Und in den Wiener Musikverein im März 2019 mit dem „Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble“ - dabei sitzt seine Mutter, Elena Bashkirova, Gründerin des Jerusalem Chamber Music Festival und Pianistin wie ihr Mann, am Klavier.

(S E R V I C E - www.salzburgerfestspiele.at)


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