Viele Katzen sind der Vögel Tod

Viele Singvogelarten sind ernsthaft gefährdet – und die Hauskatze ist mit ein Grund dafür. Wie Katzenhalter mit Kastration und Spritzpistole zum Artenschutz beitragen können.

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Von Theresa Mair

Innsbruck –Sooo herzig, so kuschelig, so verspielt: Die Liebe zur Mieze ist schier grenzenlos. Online haben Katzenvideos die besten Chancen, viral zu werden und Millionen Klicks zu sammeln. Am Samstag ging im Wiener Museumsquartier das „Cat Video Festival“ über die Bühne, bei dem man den vermenschlichten Alltag von Lil Bub, Cole & Marmelade, Keyboard Cat und wie sie alle heißen auf der Leinwand miterleben durfte.

Zurück auf dem Boden der Realität hat das Katzenleben aber auch eine andere, nicht so entzückende Seite, die gar nicht für den Bildschirm taugt: Katzen sind Raubtiere. Keine hinterlistigen Killer, wohlgemerkt, der Jagdtrieb liegt ihnen schlicht in den Genen. Ob sie Hunger haben oder nicht – wenn sich etwas bewegt, fahren die Stubentiger ihre Krallen aus. Dementsprechend abwechslungsreich ist ihr Spiel- und Speiseplan. Vögel, Nager, Amphibien, Reptilien, Fische und Insekten finden sich darauf wieder.

„Das ist ein Problem. Bei uns sind die Garten- und Parkvögel wie Amseln, Rotkehlchen, Finken am meisten gefährdet“, stellt Klaus Hackländer fest. Der Leiter des Instituts für Wildbiologie an der BOKU Wien hat für ein Gutachten mehr als 90 Studien gesichtet, um den Einfluss der Katzen auf die Biodiversität zu ergründen.

Kein leichtes Unterfangen, denn es gebe nur wenige sehr gute Untersuchungen und niemand wisse z. B. so genau, wie viele Katzen in Österreich leben. Laut Schätzungen, die bereits zehn Jahre zurückliegen, seien es mehr als eineinhalb Millionen. Weltweit geht man von mehr als 600 Millionen Hauskatzen aus.

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Auf die Tierwelt habe die Katze unterschiedliche Effekte. „Der erste sind die tödlichen Raubzüge der Katzen. Das zweite sind nicht letale Effekte. Wenn die Katze auch nur unterwegs ist, verursacht sie Stress für Vögel. Sie haben z. B. nicht genug Zeit für die Nahrungssuche“, schildert Hackländer. Aus Sorge, das Gleichgewicht der einheimischen Biodiversität könnte kippen, werde in Australien und Neuseeland bereits rigoros gegen eingeführte Arten, wie es die Katze ist, vorgegangen. „Dort gibt es viele Bodenbrüter und flugunfähige Vögel. Die Katze wird daher mit allen Möglichkeiten verfolgt. Bis nach Europa ist das noch nicht durchgedrungen. Hier erfährt die Katze eine hohe Akzeptanz.“

Doch auch hier sei die aus Nordafrika stammende Hauskatze gebietsfremd. Sie übe, gut genährt und bei bester Gesundheit, großen Druck auf andere Arten aus, „die ohnehin schon aufgrund des Kulturlandverlusts und des Klimawandels mit dem Rücken zur Wand stehen“.

Um die Anzahl der Katzen zu reduzieren, schwebt dem Forscher – analog zur Hundesteuer – eine Registrierungspflicht für Katzen vor. „Dann überlegt man es sich zweimal, ob man sich eine, zwei oder fünf Katzen zulegt.“ Darüber hinaus bestehe grundsätzlich eine Kastrationspflicht für Katzen, von der lediglich Züchter und Bauern ausgenommen seien. Diese werde allerdings zu lasch umgesetzt. Nicht zuletzt seien auch die Aufsichtsjäger in der Pflicht, Katzen außerhalb des Ortsgebiets zu erlegen.

Der Tiroler Landesjägermeister Anton Larcher winkt allerdings ab. „Kein vernünftiger Mensch erschießt gerne ein Haustier, das ja bekanntlich ein Zuhause hat und dort fehlen würde.“ Zahlen, wie viele Katzen jährlich in Tirol erlegt werden, hat er keine, es seien aber sehr wenige. „In Tirol wirkt auch die Topografie einer rasanten Ausbreitung der Hauskatze entgegen. Man muss feststellen, dass bei uns Auswüchse wie in Kalifornien oder wie im Umfeld der Großstädte nicht vorkommen“, so Larcher.

Er räumt aber ein, dass Katzen massiv in die Tierwelt des Waldes eingreifen. „Ich denke nur an die Tausenden Singvögel und Junghasen. Besonders schlimm ist es, wenn Katzen Raufußhühner ins Visier nehmen.“ Der Oberjäger appelliert an die Vernunft der Katzenbesitzer, ihre Tiere kastrieren und nicht verwildern zu lassen.

Eine durchaus alltagstaugliche Empfehlung für Katzenbesitzer von Hackländer greift auch Eva Oberauer, Zoopädagogin und Ornithologin im Innsbrucker Alpenzoo, auf. „Man kann der Katze ein Glöckchen ans Halsband hängen, damit zumindest die erfahrenen Vögel gewarnt sind und noch flüchten können.“

Katzenhalter sollten ohnehin auf ein Vogelhäuschen verzichten und Gartenbesitzern rät Oberauer zu Nistplätzen mit Marder- und Katzenschutz. Vogelhäuschen sollten nicht direkt am Busch, aber auch nicht frei und ohne Deckung auf dem Rasen platziert werden. Die Expertin betont jedoch auch, dass Katzen nur ein Faktor von vielen für das Vogelsterben sind: „Glasfronten und die ausgeräumten Gärten sind heutzutage die noch größere Problematik.“

Abgewöhnen könne man der Katze das Mausen niemals, notfalls aber zur Spritzpistole greifen. Denn mit dem Spiel- und Jagdtrieb hört es sich bei einem Wasserstrahl auf.


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