Popduo Mono & Nikitaman geht nach Neubeginn keine Kompromisse ein

Wien (APA) - Drei Jahre nach „Im Rauch der Bengalen“ hat das deutsch-österreichische Duo Mono & Nikitaman nun mit „Guten Morgen Es Brennt“ s...

Wien (APA) - Drei Jahre nach „Im Rauch der Bengalen“ hat das deutsch-österreichische Duo Mono & Nikitaman nun mit „Guten Morgen Es Brennt“ sein zweites Album auf dem eigenen Label M&N Records veröffentlicht. Davor war das Schicksal der 2004 gegründeten Band ungewiss. Eine Auszeit führte für Monika Jaksch und Nick Tilstra jedoch zu einem kompromisslosen Neubeginn, wie die beiden im APA-Gespräch verraten.

„Es gab Erwartungsdruck von den Musikern und vom Label. Mir ist das tatsächlich zu viel geworden“, schildert Tilstra die Ausgangslage. Ein Jahr, das nicht schon im Vorhinein mit Tourdaten gespickt war, wie in den sieben, acht Jahre davor, schien notwendig und wurde auch konsequent durchgesetzt: „Wir haben alles gecuttet, weil ich die Erwartungen nicht mehr erfüllen wollte“, so der 44-jährige Düsseldorfer über die damalige Situation. „Die Pause war wichtig um zu sehen, was passiert, wenn ich jetzt nur noch mache, was ich selber möchte“, ergänzt Jaksch. Am Ende hat man wieder Musik gemacht und im „Im Rauch der Bengalen“ erwies sich als bisher größter Erfolg, und auch die Konzerte waren voller denn je, erinnert sich das Duo. „Wir hatten beim letzten Album aber nicht so viel Presse, aber irgendwie scheint es ja auch ohne dem zu gehen“, merkt Jaksch dabei an.

Dass man sich von der Schublade „Reggae/Dancehall“ dabei noch weiter in Richtung „Pop“ entfernte, war ebenfalls Teil des Neubeginns, und diesen Weg ging man auch beim aktuellen Album „Guten Morgen Es Brennt“ weiter. „Wir haben uns auf jeden Fall nicht davon abhängig gemacht, was die Fans erwarten könnten. Wir lassen uns nicht vorschreiben, was wir machen. Wir machen, was wir wollen. Die erste Single ‚Wir sind mehr‘ ist vielen wieder zu heftig - und nicht poppig genug. Also haben wir alles richtig gemacht“, so Tilstras Einschätzung zum neuen Album. „Wenn es uns beiden gefallen muss, ist das eh schon schwierig. Wenn es anderen auch gefällt, dann ist das schön, aber es muss nicht unbedingt“, ergänzt Partnerin Jaksch. Als Künstler sei es wichtig, sich nicht abhängig von der Meinung anderer zu machen.

Ohne Kompromisse geben sich Mono & Nikitaman diesmal auch bei den Texten. So heißt es etwa auf der bereits Ende 2016 erschienen Single „Hitler muss immer wieder sterben“ in Richtung von Pegida und Co: „Ihr seid nicht das Volk, ihr seid Vollidioten“. „Das ist eine klare Entscheidung gewesen“, beantwortet die Tilstra die Frage, ob diese Direktheit bewusst gewählt wurde. „Wir hatten auf den ‚Bengalen‘ schon Lieder, wo es politische Aussagen gab, aber spielerischer und in Bildern“, aber das sei damals nicht allen Hörern bewusst gewesen. Jetzt sei es einfach wichtig gewesen sich zu äußern, nachdem in der politischen Diskussion klare Aussagen gegen Flüchtlinge gefallen seien. „Es gibt keine Flüchtlingskrise“, so Tilstra, „wir haben die Krise, weil wir nicht den Arsch hochkriegen, um zu helfen. Mir ist es persönlich egal, ob wir Fans verlieren, wenn ich mich so äußere. Leute, denen das nicht passt, sollen gehen.“

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Jedoch wird auf dem neuen Album nicht nur politisiert, sondern auch dem Hedonismus gefrönt, etwa in Form der Gras-Legalisierungshymne „Kein Weed“ („Ich kann es jetzt schon garantieren, das wird irgendwann passieren“). „Wir waren ja noch nie Konzeptalbenschreiber. Wir machen Alben, die in der Reihenfolge funktionieren“, erklärt Tilstra. „Ein Album spiegelt bei uns die Zeit der Entstehung wieder. Und die Fans, die uns begleiten, gehen da auch mit“, ergänzt Jagsch. Ihre Einstellung bezüglich des neuen Albums spiegelt die Gelassenheit der Band wider: „Ich hab so wenig Erwartungen. Alles was passiert ist ein Erfolgserlebnis.“

(Das Gespräch führte Andreas Westphal/APA)

(S E R V I C E - Mono & Nikitaman gastieren am 1. November im Linzer Posthof, weitere Termine sind am 3. November im Innsbrucker Treibhaus sowie 2019 am 18. Jänner im Grazer PPC und am 19. Jänner in der Wiener Arena. www.mono-nikitaman.de)


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