Beratung und Hilfe am Weg zu einem inklusiven Alltag

Der Verein Integration Tirol unterstützt Menschen mit Behinderungen und deren Eltern – seit Kurzem von einer neuen Beratungsstelle aus.

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Innsbruck –„2008 waren wir stolz auf 300 Beratungen, inzwischen liegen wir bei knapp 4000 pro Jahr“, berichtet Wolfgang Begus, Obmann des Vereins Integration Tirol. Im Juni hat der Verein, einst gegründet als Selbsthilfegruppe von Eltern mit Kindern mit Behinderung, eine neue Familienberatungsstelle in Innsbruck, Hallerstraße 109, eröffnet. Dort stehen deutlich großzügigere, barrierefreie Räumlichkeiten zur Verfügung – der alte Standort in Wattens ist künftig noch einmal pro Woche sowie nach telefonischer Vereinbarung besetzt.

„Einrichtungen für Menschen mit Behinderung beraten in aller Regel zu ihren eigenen, spezifischen Angeboten“, meint Begus. „Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir einrichtungsunabhängige und solidarische Beratung anbieten.“ Genau das würden sich viele Eltern wünschen. Und: „Viele wollen, dass ihre Kinder mit Behinderung dort aufwachsen, wo auch ihre Geschwister oder die Nachbarskinder aufwachsen.“

Ein Schwerpunkt des Vereins ist bis heute die Beratung zu Bildung und Schule. „Es zeigt sich aber, dass Eltern, die mit ihren Kindern selbstbestimmt leben wollen, vieles brauchen: ideelle, finanzielle, soziale Unterstützung“, betont Marianne Liener-Kapper, Expertin in der Familienberatung. Zu durchschauen, welche Behörde oder Stelle wofür zuständig ist, sei für Eltern extrem schwierig. „Also versuchen wir, sie hier zu entlasten – das Leben mit einem Kind mit Behinderung ist ohnehin schon fordernd genug.“ Man wolle „aufzeigen, was es alles an Unterstützungsmöglichkeiten gibt“, Wissen über erhöhte Familienbeihilfe, Pflegegeld, Reha-Anträge und mehr vermitteln. „Eltern wissen z. B. meist nicht, dass sie sich, wenn sie ihr Kind als pflegende Hauptangehörige betreuen, pensionsversichern lassen können“, sagt die Expertin. Beraten wird anonym und kostenlos, die Klienten der – von Bund, Land und Stadt geförderten – Beratungsstelle kommen aus allen Tiroler Bezirken. „Viele Familien begleiten wir über Jahre hinweg, seit der Geburt ihres Kindes“, sagt Liener-Kapper.

Im Moment gebe es besonders viele Anfragen zum Thema Pflegegeld, erklärt Begus, „wo etwa die Pensionsversicherungsanstalt bei der Begutachtung zu anderen Ergebnissen kommt als wir“. Man begleite die Klienten hier auch vor das Arbeits- und Sozialgericht. „Von rund 80 Prozessen in den letzten drei bis vier Jahren haben wir alle bis auf einen gewonnen.“

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Ein weiterer Schwerpunkt des Vereins ist das Thema Gewaltprävention: „Menschen mit Behinderung sind dreimal so oft von Gewalt betroffen“, so Liener-Kapper, „oft wegen Überforderung von Familienangehörigen, aber auch in Form von struktureller Gewalt.“ Für dieses Tabuthema wolle man sensibilisieren.

Geöffnet ist die Familienberatung in Innsbruck jeweils montags bis mittwochs von 9 bis 14 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung. Zudem bietet der Verein Integration Tirol monatliche Elterntreffen an, begleitet bei Behördengängen, und fördert auch die Vernetzung zwischen den Eltern – ganz im Sinne der Selbsthilfe. Details unter www.integration-tirol.at. (md)


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