Technischer Campus Lienz: Regionale Forschung für den Erfolg

Seit einem Jahr arbeiten Doktoranden am technischen Campus. Lokale Unternehmen sollen profitieren.

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Campus in Lienz.
© Brunner Images | Philipp Brunner

Von Christoph Blassnig

Lienz –Derzeit forschen fünf Wissenschafter an der Division für Mechatronik der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT) in Hall mit Standort in Lienz. Leiter des akademischen Campus ist Fadi Dohnal. Dohnal forscht selbst im Bereich der Dynamik und hat in Wien studiert.

Wissenschafter zu sein, ist gerade zu Beginn ein hartes Stück Arbeit, wie der Vorstand zu berichten weiß: „Doktoranden verdienen nicht sehr viel. Es braucht also eine starke Motivation, um das eigene Forschungsziel konsequent zu verfolgen.“ Ein Doktorand besitzt bereits einen akademischen Abschluss und hat sich zur Promotion angemeldet, schreibt also an seiner Doktorarbeit und darf nach Abschluss diesen Titel tragen.

Im technischen Bereich dauert eine solche befristete Forschungsperiode mindestens drei Jahre, der Durchschnitt sind vier, informiert Dohnal. „Meine zentrale Aufgabe hier in Lienz ist die Schaffung von Kooperationen mit regionalen, nationalen und internationalen Industrie- und Forschungspartnern.“ Die Wirtschaft in Osttirol sei grundsätzlich aufgeschlossen für Zusammenarbeit, befindet der wissenschaftliche Leiter. Allerdings würden noch nicht alle, die Interesse bekunden, sich tatsächlich in das unbekannt­e Land der theoretischen Grundlagenforschung vorwagen. „Vielleicht lieber erst einmal schauen, was für die anderen dabei herauskommt“, beschreibt Dohnal schmunzelnd eine vorerst neugierige Zurückhaltung im Bezirk.

Die wissenschaftlichen Stellen werden international ausgeschrieben und nach einem Auswahlverfahren besetzt. „Wir wollen den besten und nur den besten Mann für unsere Forschungsaufgabe gewinnen“, erklärt der Uni-Vorstand. „Wenn der im Verfahren nicht dabei ist, schreibe­n wir neu aus, bis wir ihn wirklich haben, unseren besten Mann.“ Tatsächlich sei gerade der technische Bereich fast ausschließlich von Männern getragen. Hier gelte es schon in der Kinderausbildung Aufbauarbeit für eine zukünftig ausgewogene Geschlechterverteilung zu leisten, meint Dohnal.

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Am Campus Lienz hat man sich auf das Themenfeld „smart dynamics“ spezialisiert: die Beherrschung der Dynamik, wie sie in der heutigen Zeit von zentraler Bedeutung ist. Zum Beispiel sind dynamische Schwingungen in Form von Lärm ein wichtiger Faktor bei Haushaltsgeräten oder Industriemaschinen, dem man früher weniger Bedeutung zumaß. Zugleich schafft der Wettlauf nach effizienter Energienutzung Systeme, die anfällig auf äußere Einflüsse reagieren.

Unter anderem bauen ein Wärmepumpenerzeuger und ein Kühlgerätehersteller aus dem Bezirk auf die Forschung am Campus in Lienz und erhoffen sich Aufschlüsse für zukünftige Produkte. Und was reizt einen Doktoranden? „Die Aussicht, vielleicht etwas zu erfinden, das es noch nicht gab“, erklärt Dohnal. Und damit in ein Unternehmen einsteigen zu können oder gleich selbst eines zu gründen.


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