Neuer Leistungstest für Sanitäter der Berufsrettung Wien

Wien (APA) - Rund 500 Sanitäter der Berufsrettung Wien müssen alle zwei Jahre eine Rezertifizierung absolvieren. Diese Überprüfung findet se...

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Wien (APA) - Rund 500 Sanitäter der Berufsrettung Wien müssen alle zwei Jahre eine Rezertifizierung absolvieren. Diese Überprüfung findet seit kurzem in der neuen Schulstation in Simmering statt und wird unter anderem mit Videoanalyse begleitet, wie bei einem Medientermin am Dienstagabend demonstriert wurde. „Da sind wir weit über dem gesetzlichen Niveau“, betonte Michael Girsa, Leiter der Schulstation.

Nicht nur die Ausbildung von Sanitätern ist gesetzlich geregelt, sondern danach ist auch im Zwei-Jahres-Zyklus eine Rezertifizierung vorgeschrieben. Letztere wurde nun bei der Berufsrettung „ganz massiv verändert“, sagte der interimistische Rettungsdienstleiter Andreas Zajicek. Geprüft wird an einem Tag jeweils ein Team aus zwei Sanitätern, die sonst auch gemeinsam Dienst am Rettungswagen versehen. Das Duo bekommt vorher Bescheid, wann der nächste Rezertifizierungstermin ansteht, und muss an diesem Datum seinen Dienst in der Rettungsstation in der Kaiser-Ebersdorfer Straße antreten.

In einem speziellen Raum der dort untergebrachten Schulstation stehen für die beiden Kollegen am Vormittag Szenarien-Trainings an einer Puppe auf dem Programm. In den Ecken des Zimmers befinden sich Kameras, die die Übungen zur besseren Aufarbeitung in der Nachbesprechung aufzeichnen, erläuterte Girsa. Hinter einem Sichtschutz - um die Sanitäter nicht zu sehr abzulenken - steht ein Trainer, der die benötigte Technik bedient. Der Schulungsleiter befindet sich sichtbar im Raum. Er erklärt das Szenario, gibt Informationen über den Zustand des fiktiven Patienten in Form der Übungspuppe weiter und macht sich Notizen. Ansonsten ist der Raum bis auf die benötigte Ausrüstung der Sanitäter leer.

Die Mitarbeiter müssen zwei Reanimationsszenarien und zwei Traumaszenarien durchlaufen, bei denen die Versorgung von Verletzungen geübt wird. Jeder der beiden ist dabei einmal in der Rolle des Team-Leaders, die bei realen Einsätzen am Rettungsauto jedoch in der Regel der höher ausgebildete Kollege innehat. „Sie können sich das vorstellen wie einen Flugsimulator für einen Piloten“, beschrieb Girsa das physisch und psychisch fordernde Szenarien-Training. Die verschiedenen Übungen dauern etwa zehn Minuten, die Mitarbeiter werden unter Stress gesetzt und kommen bei der Herzdruckmassage an der Puppe durchaus ins Schwitzen. „Das ist eine Leistungsüberprüfung, keine Trainingssituation“, betonte der Leiter der Schulstation.

Es folgt eine Nachbesprechung, De-Briefing genannt, mit Analyse der Videoaufzeichnung. Am Nachmittag werden dann reale Einsätze gefahren und von einem Supervisor begleitet. „Wir wollen sehen, ob das was wir unterrichten und überprüfen, beim Patienten ankommt“, sagte Rettungsdienstleiter Zajicek. Die Mitarbeiter erhalten am Ende des Tages eine schriftliche Beurteilung ihrer Leistung. Bei Bedarf bekommen sie Fortbildungen empfohlen. Umgekehrt müssen die Sanitäter auch Feedback-Bögen über den Trainer ausfüllen. Die Videoaufnahmen von den Übungen werden nach dem De-Briefing gelöscht. „Die Inhalte sollen nicht nach außen getragen werden“, betonte Girsa.

Die Berufsrettung Wien ist nach eigenen Angaben erst die zweite Rettungsorganisation in Europa nach einer in den Niederlanden, die freiwillig eine Rezertifizierung mit Video-Analyse und Supervision bei realen Einsätzen eingeführt hat. Die Vorgaben gelten für die rund 500 Sanitäter der Berufsrettung Wien, die Dienst am Patienten versehen. Für die weiteren Mitarbeiter, die etwa in der Leitstelle arbeiten und ebenfalls ausgebildete Sanitäter sind, sind eigene Rezertifizierungen vorgeschrieben. Außerdem werden die Sanitäter regelmäßig unangekündigt bei Einsätzen von einem Field Supervisor beobachtet.

Die im Frühjahr in Betrieb genommene Schulstation Simmering ist eine Außenstelle der Rettungsakademie der Berufsrettung zur Ausbildung von Einsatzkräften. In der Zentrale in der Radetzkystraße in Wien-Landstraße sind bereits Schulungsräume vorhanden, in denen etwa ein Wohnzimmer oder eine Baustelle inklusive dazugehöriger Einrichtung aufgebaut sind, um Übungsszenarien realer zu gestalten. Diese werden jedoch für den Schulungsbetrieb laufend benötigt, sagte Girsa.

Die neue Schulstation soll laut deren Leiter aber weiter ausgebaut werden, sodass das Szenarien-Training „der Realität immer näher kommt“. Angedacht ist etwa ein Beamer, um Hintergründe wie eine U-Bahn-Station als fiktiven Einsatzort an die Wand projizieren zu können oder die Simulation von Geräuschkulissen sowie verschiedenen Temperaturen in dem Übungsraum, erläuterte Girsa.


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