Zitate von Erich Lessing: „Ich bin der Fotograf ohne Kamera“

Wien (APA) - Fotograf Erich Lessing zählte zu den wichtigsten Zeitzeugen der Republik. Meist sprach er in Bildern - neben seinen teils ikono...

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Wien (APA) - Fotograf Erich Lessing zählte zu den wichtigsten Zeitzeugen der Republik. Meist sprach er in Bildern - neben seinen teils ikonografischen Fotografien bleiben aber auch viele seiner Aussagen im Gedächtnis. Im Folgenden eine Auswahl von Zitaten aus Interviews in seinem letzten Lebensjahrzehnt.

ÜBER DAS FOTOGRAFIEREN

„Ich habe mich eher mit dem Leben beschäftigt - mit der Fotografie halt auch.“ (APA, 2008)

„Als Fotograf tritt man mit der Welt an sich in Beziehung und lernt, sie durch das Bild besser zu verstehen.“ (Im „Kurier“, 2014)

„Ich bin nicht der Fotograf mit der Kamera, ich bin der Fotograf ohne Kamera. Um ein gutes Foto zu machen braucht man zwei Augen, und Augen sind entweder begabt zum Sehen oder nicht.“ (APA, 2008)

ÜBER ÖSTERREICH HEUTE - UND BEI DER RÜCKKEHR NACH DER NS-ZEIT

„Mit Freude ist man nicht durch die Kärntner Straße gegangen. Mit Wut und Trauer, mit dem ganzen Register der Gefühle, mit dem Zweifel, ob man jemals wieder mit diesen Menschen leben kann, ob diese kleine Gruppe im Café Grillparzer sich durchsetzen kann. Österreich bestand nicht aus dem Café Raimund, dem Hans Weigel, dem Café Grillparzer und dem Häussermann. Aber das war ein Nucleus, dem man sich gern angeschlossen hat. Man hat gehofft, dass ein paar Jahre später die Wunden zu heilen beginnen. Ganz können sie nie heilen. Denn irgendwo trifft man immer die Gegner, die Gegner von damals. Obwohl man bereit war, mit jenen, die nicht die Mörder waren, wieder zusammenzuleben. Aber wir haben sie heute noch unter uns, die Gegner.“ (Im „Standard“, 2015)

„Österreich, dieses Wolkenkuckucksheim, soll man sich schon bewahren, aber manchmal müsste man auch hineinstechen, dass es lebendiger wird. Ein bisschen Aufbegehren und etwas mehr geistiger Krawall würden nicht schaden.“ (In der „Kleinen Zeitung“, 2013)

„Die Großparteien nutzen sich eben ab - wie jeder einzelne Mensch übrigens.“ (Im „profil“, 2013)

ÜBER GRUNDSÄTZLICHES

„Ich bin sehr glücklich, die große Zeit der europäischen Politik miterlebt zu haben.“ (Zu Thomas Trenkler, 2012)

„Am Anfang haben wir geglaubt, wir könnten die Welt durch die Wahrheit verändern. (In der „Zeit“, 2015)

„Nur ein überzeugter Atheist kann die Religion verstehen.“ (Im „profil“, 2013)


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