Teure Rettung mit dem Polizei-Heli: Gratis-Bergung war gestern

Seit Ende Mai hat das Innenministerium in Tirol 26 Bergungsflugeinsätze in Rechnung gestellt.

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53 Euro verrechnet das Innenministerium pro Flugminute. Eine 45-Minuten-Bergung kostet damit rund 2400 Euro.
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Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck –Gratis-Bergung war gestern. Oder – um genau zu sein – bis zum 25. Mai dieses Jahres. Denn mit diesem Stichtag ist jene Regelung in Kraft getreten, durch die eine Bergung von Unverletzten aus alpinem Gelände mit dem Polizeihubschrauber nicht mehr kostenlos erfolgt. Es ist eine Maßnahme, die aufgrund der Häufung von Bergungen getroffen wurde.

Während nämlich der Rettungshubschrauber ausschließlich dort aufsteigt, wo auch jemand verletzt ist, kommt bei verirrten oder müden Wanderern ohne Verletzungen der Polizeihubschrauber zum Einsatz. Durchschnittlich passiert das in Österreich zwischen 300- und 350-mal, wie Werner Senn, Leiter der Flugpolizei, erklärt.

Falsche Selbsteinschätzung, fehlerhafte Tourenplanung oder schlichtweg Bequemlichkeit waren in der Vergangenheit die häufigsten Gründe dafür, dass die Polizei Bergsteiger oder Wanderer vom Berg holen musste. Die Kosten für diese Einsätze hatte bis zum Inkrafttreten der neuen Regelung die Allgemeinheit und damit der Steuerzahler zu berappen. Und weil in den vergangenen Jahren die Zahl der Bergungseinsätze immer wieder angestiegen ist, ging diese Leistung zunehmend ins Geld. „Eine Flugminute kostet 53 Euro, ein Bergungseinsatz dauert im Durchschnitt 30 bis 45 Minuten“, weiß Senn. Eine 45-Minuten-Bergung kostet damit rund 2400 Euro, in Summe wurde das Staatsbudget also pro Jahr mit über einer dreiviertel Million Euro belastet.

Seit 25. Mai hat die Flugpolizei in Österreich 38 Bergungseinsätze in Rechnung gestellt, den Großteil davon – nämlich 26 – in Tirol. „Wir gehen davon aus, dass etwa ein Drittel aller unserer Flugeinsätze verrechnet wird“, sagt Senn und hegt die Hoffnung auf einen gewissen Lerneffekt bei den Leuten. Dort, wo aber beispielsweise bei einem tödlichen Absturz die Begleiter vom Berg geflogen werden, wird auch künftig keine Rechnung gestellt. Und bei Sucheinsätzen wird nicht die Zeit der Suche, sondern erst die der eigentlichen Bergung verrechnet.

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