2:2 gegen Belgrad: Salzburg scheitert wieder in der CL-Quali

Die Bullen gaben eine 2:0-Führung aus der Hand. Der serbische Champion darf dagegen die erste Champions-League-Teilnahme der Club-Geschichte bejubeln.

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Wals-Siezenheim – Red Bull Salzburg hat am Mittwochabend in einer an Dramatik kaum zu überbietenden Partie neuerlich den Einzug in die Champions League nicht geschafft. Österreichs Meister kam im entscheidenden Play-off-Rückspiel gegen Roter Stern Belgrad nicht über ein 2:2 (1:0) hinaus und verpasste nach dem 0:0 im Hinspiel auch im elften Anlauf seit der Übernahme durch Red Bull den Sprung in die Gruppenphase.

Die Salzburger lagen nach zwei Treffern von Munas Dabbur (45., 48./Foulelfmeter) verdient mit 2:0 auf Kurs, gaben aber innerhalb von 77 Sekunden und zwei Toren durch El Fardou Ben Nabouhane (65.,66.) die fast sicher geglaubte Königsklassen-Teilnahme noch aus der Hand. Während der 28-fache serbischen Meister (inkl. Jugoslawien) nach sechs erfolglosen Versuchen erstmals im Konzert der Großen mitspielt, wechselt Salzburg wieder auf inzwischen bewährtes Terrain: Die Europa-League-Gruppenphase. Die Auslosung erfolgt am Freitag um 13.00 Uhr in Monaco.

Im Angriff gab Rose neben Einserstürmer Munas Dabbur dem erst 19-jährigen Patson Daka den Vorzug gegenüber Reinhold Yabo oder Smail Prevljak, immerhin der Doppeltorschütze zuletzt in Altach (3:2). Xaver Schlager, in Belgrad nur Wechselspieler, startete diesmal statt des verletzten Zlatko Junuzovic.

Roter-Stern-Trainer Vladan Milojevic baute seine Offensive im Vergleich zum Hinspiel um. Mittelstürmer Nikola Stojiljkovic fehlte verletzt, zudem verzichtete der Trainer auf den brasilianischen Rechtsaußen Cafu. Stoßstürmer Nemanja Milic und Ben Nabouhane sowie Nemanja Radonjic aus der zweiten Etappe sollten für die nötige Offensivpower sorgen.

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Salzburg mit Powerfußball in Hälfte eins

Der Europa-League-Semifinalist des Vorjahres trat von Beginn weg dominant auf, agierte in der Offensive druckvoll und in der Defensive stets präsent. Vom Rasenschach der Vorwoche war keine Spur. Die größte Möglichkeiten in der Anfangsphase fand Daka vor. Der sambische Teamstürmer agierte aber erst beim Abschluss aufs verwaiste Tor zu wenig konsequent, nachdem Gäste-Goalie Milan Borjan den Ball bei seinem Ausflug verfehlt hatte (10.). Im Anschluss an einen sehenswerten Doppelpass mit Dabbur stimmte wenig später die Ballannahme nicht (19.). Beide Versuche wurden zudem letztlich noch geblockt.

Salzburg schnürte die Serben mit Powerfußball in ihrer Hälfte ein. Doch die phasenweise neunköpfige Menschenmauer der Serben präsentierte sich neuerlich recht stabil. Hannes Wolf (13./28.) und Amadou Haidara (36.) versuchten sich erfolglos mit Fernschüssen. Roter Stern trat wie im Hinspiel offensiv kaum in Erscheinung. Unterstützt vom späteren Matchwinner Ben Nabouhane deuteten Radonjic (30.), und Milic (33.) lediglich im Umschaltspiel Gefahr an.

Als es bereits nach einem Pausen-0:0 aussah, ließ Dabbur die etwa 10.000 frenetischen Gäste-Fans verstummen. Der Israeli löste sich im perfekten Moment für Ulmers Maßflanke und schoss volley zur verdienten Führung ein (45.). Die Führung durch den Goalgetter riss Club-Mäzen Dietrich Mateschitz von den Sitzen, der einen Wiederbeginn nach Maß sah.

77 Sekunden, in denen Salzburg alles verlor

Roter-Stern-Kapitän Vujadin Savic fuhr Wolf nach dessen Schuss in die Parade und der türkische Star-Schiedsrichter Cüneyt Cakir entschied auf Elfmeter. Dabbur verlud Borjan und stellte mit einem trockenen Schuss ins linke Eck auf 2:0 (48.). Die Gäste forcierten notgedrungen die Offensive: Milan Pavkov kam für den blassen Milic und stellte sich gleich mit einem Schuss knapp drüber vor (52.).

Die Szenerie blieb hektisch: Nach einer minutenlangen Diskussion mit Rudelbildung nach einem Bodenduell, die in zwei Gelben Karten für beide Mannschaften endete, verlor Salzburg komplett den Faden. Wolf verlor gegen Milos Degenek an der Flanke den Ball, Ben Nabouhane drückte zum Anschlusstreffer über die Linie (65.). Salzburg taumelte und die Partie kippte innert 77 Sekunden: Degenek entwischte Ramalho nach einer weiten Freistoßflanke, die Bogenlampe des Verteidigers senkte sich über Stankovic ins lange Eck - Ben Nabouhane war noch mit der Schuhspitze dran (66.).

Fast ungläubig zogen die Serben im Anschluss wieder ihre Defensivketten auf. Borjan war bei Haidaras Weitschuss (74.) sowie einem Freistoß des eingewechselten Reinhold Yabo zur Stelle (80.).

Die Salzburger, die bereits zuvor unglaublich viel investiert hatten, setzten noch einmal zum Schlusssprint Richtung Millionenliga an. Rose warf Prevljak in die Partie, Haidara setzte einen Kopfball aus hervorragender Position kläglich daneben (86.). In der Nachspielzeit traf Dabbur den Ball nach Haidara-Flanke nicht richtig, auch Ramalhos Kopfball fiel zu zentral aus. Der Traum vom europäischen Herbst in der Königsklasse, für Salzburg erfüllte er sich ein weiteres Mal nicht.

Neben Roter Stern Belgrad haben sich am Mittwoch auch noch PSV Eindhoven und Benfica Lissabon als letzte Teams für die Gruppenphase der Fußball-Champions-League qualifiziert. PSV gewann nach dem 3:2-Auswärtserfolg das Heimspiel gegen BATE Borissow souverän 3:0, Benfica korrigierte dagegen das 1:1 vor eigenem Publikum mit einem klaren 4:1-Auswärtserfolg über PAOK Saloniki.

Meinungen

Christoph Freund (Sportdirektor Salzburg): „Es ist schwierig zu erklären. Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, und dann bekommen wir in zwei Minuten zwei Tore, die wir so sonst nicht bekommen. Es ist bitter, es ist eine große Leere da. Wenn man 2:0 führt, darf man das Spiel nicht mehr aus der Hand geben. Das kam aus dem Nichts, die haben sich keine Chancen herausgespielt. Natürlich sind wir jetzt wieder die Blöden, wie in den letzten Jahren.“

Andreas Ulmer (Salzburg-Kapitän): „Die Enttäuschung sitzt tief drinnen. Wir haben über weite Strecken ein großes Spiel gemacht, haben sehr viel Großchancen gehabt und hätten trotz der zwei Gegentore gewinnen können. Wir haben bis zur letzten Sekunde alles probiert. Wir hätten das Weiterkommen verdient gehabt. Morgen wird sicher noch ein schwerer Tag für uns.“

Munas Dabbur (Salzburg-Doppeltorschütze): „Wir haben alles gegeben und waren die viel bessere Mannschaft. Aber das ist Fußball. Wir haben Fehler wie Kinder gemacht. Ich weiß nicht, was da gerade passiert ist. Es macht jetzt keinen Sinn, zu sagen, dass wir zehnmal besser als sie waren - aber wir waren zehnmal besser.“

Marco Rose (Salzburg-Trainer): „Es ist ein herber Schlag, es tut richtig weh. Es fühlt sich ganz beschissen an, weil es unser großes Ziel war. Und weil die Mannschaft viel investiert und viel probiert hat. Wir haben diese 2:0-Führung in zwei Minuten aus der Hand gegeben. Ich kann sagen, dass in der Kabine Leute sitzen, die heute nicht auf dem Platz waren, und weinen. Ich bin verantwortlich für diese Gruppe und habe die Verantwortung jetzt alle wieder auf den Weg zu bringen. Natürlich: Es ist ein extrem bitterer Abend für uns alle. Klar wird jetzt ein bisschen was auf uns einprasseln, aber wir gehen weiter.“ (APA)


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