EU: „Flüchtlinge nicht gegen ihren Willen nach Albanien entsenden“

Rom/Brüssel (APA) - Die Flüchtlinge des Schiffs „Diciotti“ dürfen nach Einschätzung der EU-Kommission nicht gegen ihren Willen nach Albanien...

Rom/Brüssel (APA) - Die Flüchtlinge des Schiffs „Diciotti“ dürfen nach Einschätzung der EU-Kommission nicht gegen ihren Willen nach Albanien geschickt werden. Albanien gehöre nicht zur EU und habe kein entsprechendes Asylsystem, betonte EU-Kommissionssprecherin Natasha Bertaud. Die Menschen könnten nur nach Albanien gebracht werden, wenn sie dem zustimmten.

In der Nacht auf Sonntag hatten mehr als 130 Migranten das italienische Küstenwacheschiff „Diciotti“ in Catania verlassen können, nachdem sie tagelang darauf ausharren mussten. Die Küstenwache hatte sie und rund 60 andere Personen Mitte August im Mittelmeer gerettet. Innenminister Matteo Salvini ließ die Migranten erst von Bord, nachdem die katholische Kirche in Italien sowie Albanien und Irland sich bereit erklärt hatten, sie aufzunehmen.

Die Stellungnahme der EU-Kommission löste scharfe Kritik Salvinis aus. „Migranten sollen ihre Zustimmung für den Wechsel nach Albanien geben? Das finde ich bizarr: Wer vor Krieg flüchtet, kann sich nicht ein Urlaubsdorf aussuchen. Wenn Brüssel unseren Beschluss teilt, ok, ansonsten werden wir trotzdem weitermachen“, sagte Salvini bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Venedig.

Nach tagelangem Streit zwischen EU-Ländern hatte sich am Wochenende unter anderem Albanien bereit erklärt, 20 Migranten von dem Schiff der italienischen Küstenwache zu übernehmen. Noch im Juni hatte Brüssel ein Papier zu Sammelzentren für Bootsflüchtlinge veröffentlicht, das nahelegt, die Vereinbarung zwischen Italien und Albanien verstoße gegen EU-Recht. Darin heißt es, es sei nach EU-Recht nicht möglich, aus Seenot gerettete Migranten aus der EU „in ein Land zu schicken, zu dem sie keine Verbindung haben“.


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