„Music From The Big Pink“ - Als The Band ein eigenes Genre erfand

Wien (APA) - Es gilt als eines der besten Debütalbums aller Zeiten: „Music From The Big Pink“ von The Band hat Musikgeschichte geschrieben, ...

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Wien (APA) - Es gilt als eines der besten Debütalbums aller Zeiten: „Music From The Big Pink“ von The Band hat Musikgeschichte geschrieben, Fans wie Musiker beeinflusst und ein eigenes Genre erfunden. Die Rückbesinnung auf amerikanische traditionelle Musik, die Vermischung aus Folk, Rock, Country und R&B und das entspannte Feeling würde man heute unter „Americana“ einreihen. Der 50er der Platte wird gefeiert.

Bob Clearmountain hat die originalen Vier-Track-Aufnahmen für eine Jubiläumsausgabe von „Music From The Big Pink“ überarbeitet und fantastische Arbeit geleistet. Noch nie war der Sound des Meilensteins von 1968 so klar. Gleichzeitig ist die Wärme und der Charme der Urfassung nicht verloren gegangen. Die „50th Anniversary Edition“ gibt es auf CD und Doppel-LP (in pinken Vinyl, 45 rpm), aber auch als etwas kostspieliges, aber lohnenswertes limitiertes Super-Deluxe-Set.

Die Box enthält neben dem Album auf beiden Tonträgern-Varianten einen 5.1 Mix auf Blu-Ray, der auch jenen, die mit dem Schaffen von The Band innigst vertraut sind, ein ganz neues Hörerlebnis bietet. Dazu gibt es ein Replikat der Single „The Weight“ (7“) und ein Hardcover-Book mit einem Essay und vielen Fotos, die einen Einblick in die Zeit und das Wirken von The Band vermitteln. Und nicht zu vergessen: Als Bonus darf man sich über ein paar Outtakes freuen, darunter eine bisher unveröffentlichte A-Cappella-Version des von Bob Dylan geschriebenen „I Shall Be Released“.

The Band wurde zunächst für die Zusammenarbeit mit eben jenem Bob Dylan berühmt. Sie begleiteten ihn (noch als The Hawks) bei der legendären Tournee von 1965 bis 1966, bei der sich Dylan erstmals „elektrisch“ mit Band präsentierte - und dabei Buh-Rufe von Folk-Puristen erntete. Drummer Levon Helm suchte wegen dieser Reaktionen das Weite und verdingte sich auf einer Bohrinsel. Dylan zog sich nach den Konzerten und einem Motorradunfall in Woodstock zurück. Im nahen in West Saugerties, im Keller des Pink angemalten Hauses, in das sich The Band eingemietet hatte, fanden die mythenumwobenen Sessions statt, die als „The Basement Tapes“ von Dylan & The Band berühmt werden sollten.

Die Atomsphäre war fruchtbar, Helm kehrte zu seinen Kollegen (und damals, bevor sie Drogen und Neid auseinanderdividierten, noch Freunden) Rick Danko, Garth Hudson, Richard Manuel und Robbie Robertson zurück. Dylans Manager Albert Grossman, der nun auch The Band unter seine Fittiche nahm, verschaffte der Gruppe einen Plattenvertrag bei Capitol. Für die Aufnahmen für das Debüt begab man sich in Studios nach Manhattan (New York) und Los Angeles. Dort wurde in nur zwei Wochen das Feeling aus dem Keller im Big Pink eingefangen. Dylan steuerte nicht nur drei Kompositionen bei, sondern malte auch das Cover.

„Im Keller waren wir eng beieinander, es war ein akustischer Ansatz“, erinnerte sich Garth Hudson 2013 in einem Interview mit dem britischen Musikmagazin „Uncut“. „Und wenn man ‚Big Pink‘ hört, spürt man das. Niemand hat sich in den Vordergrund gedrängt und das Kommando übernommen.“

Bis heute hat „Music From The Big Pink“ nicht an Kraft verloren. Der „Rolling Stone“ reihte das Album 2003 auf Platz 34 der besten aller Zeiten. Hört man den neuen Mix, wundert das nicht. Rankings sind eigentlich sekundär, einzig zählt das Empfinden beim Hören - und wer sich in der amerikanischen Musik zu Hause fühlt, ist bei „Music From The Big Pink“ bestens aufgehoben. Es empfiehlt sich dazu John Nivens gleichnamigen Roman zu lesen. Der schottische Autor („Kill Your Friends“) hat eine wunderbare Hommage an ein wunderbares Album geschrieben.


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