EU-Vorsitz - Informeller Rat zur Zukunft der Jugendstrategie in Wien

Wien (APA) - Am Montag beraten die EU-Jugendminister - beziehungsweise deren Vertreter - in Wien über die EU-Jugendstrategie ab 2019. Julian...

Wien (APA) - Am Montag beraten die EU-Jugendminister - beziehungsweise deren Vertreter - in Wien über die EU-Jugendstrategie ab 2019. Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) empfängt ihre Amtskollegen zudem zu Gesprächen über die zukünftige Ausgestaltung der Erasmus-Jugendkapitel. Auch ein Austausch mit Jugendvertretern aus ganz Europa steht auf der Agenda des informellen Rats im Austria Center Vienna.

Geleitet wird das Treffen von EU-Kommissar Tibor Navracsics, der im Anschluss an die Beratungen gemeinsam mit Bogner-Strauß eine Pressekonferenz geben wird (12:45). An der Abschlussveranstaltung der zeitgleich stattfindenden EU-Jugendkonferenz nimmt am Dienstag (11:30) auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen teil..

Die Teilnehmerliste des Rates stand am Donnerstag noch nicht endgültig fest. Jugendminister wichtiger Länder wie Deutschland, Frankreich und Noch-EU-Mitglied Großbritannien lassen sich bei den Beratungen aber vertreten, wie es von den jeweiligen Botschaften bzw. Ministerien auf APA-Anfrage hieß. Ihr Kommen angekündigt haben hingegen bisher die Jugendminister von Irland, Portugal, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und der Slowakei sowie der zuständige italienische Staatssekretär, wie die Ratspräsidentschaft bekanntgab.

Die EU-Jugendstrategie soll Leitlinien der jugendpolitischen Zusammenarbeit in Europa festlegen. Im Mai stellte die EU-Kommission ihren Vorschlag vor, der in Wien erstmals auf Ebene der Fachminister erörtert wird. Ende November soll die endgültige Version dann laut Auskunft der Bundesjugendvertretung (BJV) im Europäischen Rat verabschiedet werden.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Der Kommissionsvorschlag sieht unter anderem einen stärkeren Fokus auf benachteiligte junge Menschen vor. Außerdem soll die politische Partizipation junger Menschen gefördert werden, um das „Beteiligungsparadoxon“ aufzulösen: Junge Menschen sind überdurchschnittlich engagiert und an politischen Themen interessiert, wenden sich aber immer stärker von traditionellen Formen der Politik ab, heißt es im Kommissionspapier.

Eines der Mittel, um junge Menschen enger an die EU zu binden und ihr politisches Engagement zu fördern, ist für die Kommission die Stärkung des Strukturierten Dialogs, um Reformen „von unten“ anzustoßen. In diesem Sinne suchen die Minister auch in Wien den Kontakt mit Jugendvertretern. Montagnachmittag werden die Minister laut BJV in insgesamt 20 Kleingruppen mit europäischen Jugendvertretern über aktuelle jugendpolitische Themen sprechen. Über die Online-Plattform ORFconnect können sich dieses Mal auch junge Österreicher, die nicht vor Ort sind, mittels Smartphone an der Diskussion beteiligen. Zugeschaltet werden sollen außerdem Jugendvertreter aus mehreren europäischen Städten, die nicht nach Wien reisen konnten, wie es vonseiten des ORF hieß.

Die Diskussionsveranstaltung ist der Höhepunkt der EU-Jugendkonferenz, die vom 2. bis 4. September ebenfalls im Austria Center Vienna stattfindet. Dort wird über die Umsetzung der sogenannten „Youth Goals“ debattiert, die ein Ergebnis des Strukturierten Dialogs sind. „Das ist ein Prozess, den die EU-Kommission seit mehreren Jahren fördert, in dem sie einen intensiven Dialog mit jungen Menschen aus ganz Europa führt“, erklärt die Vorsitzende des BJV, Martina Tiwald, in einer Aussendung. „In den letzten Monaten haben sich dabei rund 50.000 junge Menschen online und offline an einer Debatte beteiligt und daraus wurden die 11 Jugendziele erarbeitet.“ In Wien sollen nun die Fachminister überzeugt werden, sich für Ziele wie „Jugend im ländlichen Raum voranbringen“ oder „Gleichberechtigung aller Geschlechter“ starkzumachen. Laut den Veranstaltern BJV und Interkulturelles Zentrum (IZ) ist diese Art der Zusammenkunft eine „Premiere“ in der Geschichte der EU-Jugendkonferenzen, die seit 2010 abgehalten werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung der EU-Jugendminister ist die zukünftige Ausgestaltung der Erasmus-Jugendkapitel - darunter fallen Programme im Bereich Jugendaustausch, strategische Partnerschaften, Maßnahmen im Bereich informelles und non-formales Lernen und der Europäische Freiwilligendienst, für die die Kommission im kommenden mehrjährigen Finanzrahmen (2021-2027) 3,1 Milliarden Euro vorschlägt. Die österreichische Ratspräsidentschaft möchte in diesem Bereich einen Vorschlag für Schlussfolgerungen zum Thema „Rolle der Jugendarbeit im Kontext von Migration und Flucht“ vorlegen, wie sie im Vorfeld mitteilte.

Ebenfalls debattiert wird die Zukunft des Europäischen Solidaritätskorps, das, geht es nach der Kommission, deutlich aufgestockt werden soll. Das Programm, das jungen EU-Bürgern zwischen 18 und 30 Jahren erlaubt, sich europaweit - und auch im eigenen Land - humanitär und gesellschaftspolitisch zu engagieren, soll 1,26 Milliarden Euro schwer werden. Für die ersten drei Jahre seines Bestehens standen 375 Millionen Euro zur Verfügung. Bis Ende 2027 sollen sich laut Kommission 350.000 junge Menschen daran beteiligen.

Auch das Reiseprogramm „DiscoverEU“, das Jugendlichen kostenlose Interrail-Tickets zur Verfügung stellt und aus dem Erasmus-Topf finanziert werden soll, könnte Gegenstand der Besprechungen sein. 1,5 Millionen Interrail-Tickets will die Kommission von 2021 bis 2027 bereitstellen, was 700 Millionen Euro kosten würde.


Kommentieren