Hills letztes Hurra: „Mein Name ist Somebody“

Seinen ersten Kinofilm seit mehr als 20 Jahren hat Terence Hill seinem 2016 verstorbenen Freund Bud Spencer gewidmet. Nächste Woche präsentiert der 79-Jährige „Mein Name ist Somebody“ in Österreich.

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Innsbruck, Wien –Es klatscht, das weckt schöne Kindheitserinnerungen. Und schon kriegt der Schnauzbart einen Schlag auf die Zwölf: Zum ersten Mal seit dem zu Recht in Vergessenheit geratenen „Virtual Wea­pon“ vor mehr als 20 Jahren hat Terence Hill wieder einen Kinofilm gemacht. Mehr noch: Hill – an der Seite des 2016 verstorbenen Bud Spencer –, Held zahlloser Hau-drauf-Komödien der 1970er- und 80er-Jahre, hat „Mein Name ist Somebody – Zwei Fäuste kehren zurück“ auch geschrieben und inszeniert. Und schon der Titel zeigt, dass mit dem Film Anschluss an den einstigen Erfolgslauf gesucht werden soll. Wenigstens im deutschen Sprachraum: Im italienischen Original ist der Hinweis auf Hits wie „Mein Name ist Nobody“ oder „Vier Fäuste gegen Rio“ dezenter, da heißt der Film schlicht „Mein Name ist Thomas“.

In der kommenden Woche präsentiert Terence Hill sein neuestes Werk in Österreich. Premiere ist am Freitag im oberösterreichischen Pasching. Tags darauf kommt der inzwischen 79-Jährige nach Wien. Auch im Innsbrucker Metropolkino ist „Mein Name ist Somebody“ zu sehen.

Der Film ist ein Alterswerk. Im Guten wie im Schlechten. Eine etwas wehmütige Reise zurück in eine Zeit, als im Kino noch weitgehend folgenlos geprügelt werden konnte. Mit Faust, Billard-Queue oder Gusseisernem. „Von der Linken, von oben, und noch mal“, wie der von Hill gespielte Somebody namens Thomas in einer Szene feststellt: Kloooooong! K. o. Der Fiesling geht zu Boden.

Verpackt wird das Gebolze in eine bittersüße Tragikomödie. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Die junge Lucia (Veronica Bitto) kreuzt den Weg des stillen Thomas (Hill), der mit seinem Harley-Motorrad in eine spanische Wüste reisen will und eigentlich nur seine Ruhe sucht. Lucia, die immer wieder in neue Schwierigkeiten gerät, geht Thomas schwer auf die Nerven. „Ich habe meinen eigenen Blick auf die Welt“, sagt die junge Chaotin und Gelegenheitsdiebin voller Weltschmerz und Lebenshunger. Verblasste Narben an ihren Handgelenken zeigen, dass sie ihre Pulsadern aufgeschlitzt hat: „Das ist mein Tattoo, hast du irgendwas dagegen?“ Alles in allem ist „Mein Name ist Somebody“ ein Film des leisen Abgesangs mit viel Fan-Service – und noch mehr Anspielungen auf Klassiker von „Die Linke und die Rechte Hand des Teufels“ bis „Zwei außer Rand und Band“. Terence Hills letztes Hurra kommt zwar etwas behäbig in Fahrt, ist aber in seinen schönsten Momenten ungemein anrührend.

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War früher Hill nicht selten die quasselnde Nervensäge („Apfelsaft gibt Pokerkraft“, „Wenn du mich noch mal dutzt, hau ich dir ne Delle in die Gewürzgurke“), gibt er nun den Part des maulfaulen Brummbären, der früher wohl Bud Spencer zufiel.

Seinem Weggefährten und engen Freund hat Hill sein jüngstes Werk denn auch gewidmet. Spencer habe die Vorbereitungszeit des Films noch miterlebt, erklärte Hill im Rahmen der Deutschlandpremiere in Dresden vor wenigen Tagen. Ausgerechnet als ihn die Nachricht vom Tod seines langjährigen Leinwandpartners erreichte, habe er sich im spanischen Almeria auf Drehortsuche befunden. „Dort haben wir unsere ersten Western gedreht. Dort haben wir uns das erste Mal getroffen. Damals hieß er noch Carlo Pedersoli und ich Mario Girotti. Gleich am ersten Drehtag haben wir uns geprügelt. Für die Kamera, versteht sich“, so Hill zuletzt im Gespräch mit der Berliner Zeitung. (jole)


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