Neun Jahre vor Feuerteufel sorgte Attentäter für Angst

Durch die Brandserie im Oberland werden Erinnerungen an Anschläge in Pollinger Maisfeldern wach, bei denen Bauern um ihr Leben fürchteten.

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September 2009: ein Pollinger Bauer mit seinem zerstörten Mais-Häcksler.
© ZOOM.TIROL

Von Thomas Hörmann

Inzing –Der Oberländer Brandstifter gönnt den Einsatzkräften eine Atempause. Seit elf Nächten blieben die Sirenen stumm, kein Feuerwehrmann wurde aus dem Schlaf gerissen. Unruhig war’s nur für die zahlreichen Polizisten, die seit Wochen Jagd auf den Täter machen. Die Feuerpause ist seit Beginn der Serie (19. Juli) nicht die erste – schon nach der Brandstiftung am 1. August in Inzing ließ das noch immer unbekannte Phantom das Feuerzeug für elf Nächte in der Tasche. Dann ging am 12. August wieder der Rauch auf – diesmal aus einem Stadel in Hatting.

Das müsse einer sein, der die Bauern nicht mag, vermuten Einheimische – „so ein Bauernhasser halt“. Tatsächlich waren bisher nur Stadel, zwei Pferdeunterstände und ein Stall die Tatorte. Die Fäden scheinen in Inzing zusammenzulaufen – in keiner der insgesamt sieben betroffenen Gemeinden brannte es öfter. Besonders der Inzinger Ortsteil Toblaten gilt als Brennpunkt im Wortsinn, dort zündete der Täter einen Stall und einen Pferdeunterstand an, bei einem Stadel dürfte er es auch versucht haben, die Flammen gingen aber von selbst aus.

Apropos Bauernhasser – Anschläge auf ihr Hab und Gut sind für die Landwirte der Gegend nichts Neues. Schon vor neun Jahren sorgte ein Attentäter für umfangreiche polizeiliche Ermittlungen. Als Tatwerkzeug verwendete der Täter kein Feuerzeug, sondern Eisenstangen und große Motorblock-Schrauben, die er in den erntereifen Maisfeldern an die Pflanzen band. Mit fatalen Folgen – die Stangen zerstörten nicht nur die Erntemaschinen, sondern ließen die Bauern auch um ihr Leben fürchten. Weil sich Metallteile von den rotierenden Walzen im Inneren der Maschinen lösten, das Gehäuse durchschlugen und mit Pech in Richtung Traktor und Fahrer flogen. Schauplätze der heimtückischen Anschläge waren Maisfelder in Polling und Flaurling. Zwei Gemeinden, die vom aktuellen Brandstifter bislang verschont wurden, die aber nur wenige Kilometer vom „Brennpunkt“ Inzing entfernt sind.

Die Auswirkungen der Maisfeld-Attentate waren ähnlich wie jene der jüngsten Brandserie: Die Polizei setzte auf verstärkte Überwachung, die Stimmung unter den Bauern schwankte zwischen Wut und Angst. Ein Bürgermeister schlug sogar vor, eine „Schraubenwehr“ aufzustellen, die in Maisfeldern vor der Ernte Metallteile suchen sollte. Auch in Inzing wurden zuletzt Stimmen laut, die eine Bürgerwehr forderten. In Polling kam es allerdings nicht mehr dazu – die Serie endete im Herbst 2009 mit der Erntezeit. Der Attentäter von damals ist bis heute unbekannt.

Ausgerechnet im Inzinger Weiler Toblaten wurden im Herbst 2014 Erinnerungen an die Schrauben-Attentate wach. Auch dort zerstörten Eisenstangen in einem Maisfeld eine Erntemaschine und machten die Ernte teilweise unbrauchbar – 47.000 Euro Gesamtschaden. Doch diesmal konnte der Täter ausgeforscht, vor Gericht gebracht und verurteilt werden. Mit der Serie von 2009 hatte der Mann offenkundig nichts zu tun.

Allerdings gibt es jetzt Spekulationen, dass der Schraubenteufel von 2009 und der Feuerteufel von 2018 ein und dieselbe Person sind.


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