Astronomen legen exaktes Koordinatensystem über Weltraum

Wien (APA) - Bei der Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Wien ist am Donnerstag ein neues Koordinatensystem...

  • Artikel
  • Diskussion

Wien (APA) - Bei der Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Wien ist am Donnerstag ein neues Koordinatensystem für das Weltall beschlossen worden. Damit könne etwa die Position von Raumfahrzeugen genauer angeben, sowie bei der Erde die Schräge der Achse und Wanderungen der Pole besser vermessen werden, so Astronomen der Technischen Universität (TU) Wien in einer Aussendung.

Als Bezugspunkte für den neuen „Referenzrahmen ICRF3“ dienen extragalaktische Radioquellen. „Wir kennen heute Hunderttausende Objekte im Weltraum, die extrem intensive, langwellige Strahlung aussenden“, erklärte Johannes Böhm vom Department für Geodäsie und Geoinformation der TU Wien. Dabei handle es sich um besonders massereiche Schwarze Löcher im Zentrum fremder Galaxien (Quasare), die oft Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt sind.

„Diese Strahlungsquellen sehen von der Erde betrachtet praktisch punktförmig aus und durch ihre gewaltige Entfernung eignen sie sich optimal zum Festlegen eines weltweit gültigen Referenzsystems“, sagte der Erdoberflächen- und Weltraum-Vermesser. Kleine Bewegungen der Quasare wären ob der großen Distanzen vernachlässigbar.

Die Fixsterne am Nachthimmel hätten sich zum Beispiel als nicht geeignet für ein probates Referenzsystem herausgestellt, erläuterte Böhm. Sie sind nämlich nicht so fix, wie sie heißen. „Im Lauf der Zeit verschieben sie sich ein bisschen gegeneinander, sodass man alle paar Jahre ein neues Referenzsystem definieren müsste, um die nötige Genauigkeit zu erhalten“, meinte er.

E-Bike und 10 x € 300,- Sportgutscheine gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren. Der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Mit ICRF3 könne man die Position der Radioquellen am Sternenhimmel mit einer Genauigkeit von 30 Mikro-Bogensekunden angeben. „Das entspricht ungefähr dem Durchmesser eines Tennisballs auf dem Mond, von der Erde aus gesehen“, erklären die Forscher. Für die Berechnung dieses intergalaktischen Koordinatensystems wurde unter anderem der österreichische Supercomputer „Vienna Scientific Cluster 3“ verwendet.

Am heutigen Freitag geht die 30. Generalversammlung der IAU in Wien zu Ende. Mehr als 8.000 Forscher aus rund 90 Ländern diskutierten seit dem 20. August über aktuelle astronomische Fragestellungen.

(S E R V I C E - Internet: https://www.iau.org/)


Kommentieren